Bad Kleinen hoff(i)nungslos unterlegen – NSV mit spektakulärem Kantersieg

5. Mai 2026

Bad Kleinen hoff(i)nungslos unterlegen – NSV mit spektakulärem Kantersieg

Der Fußballgott meinte es gut mit dem Neumühler SV. Nach dem hart erarbeiteten Sieg gegen Dargetzow am 16. Spieltag gab es am folgenden Spieltag frei, weil der SC Ostseebad Boltenhagen keine Mannschaft zusammenbekam und kurzfristig absagen musste. Somit hatte man eine Woche mehr Zeit, um sich die restliche Asche aus sämtlichen Ritzen zu puhlen und sich auf das Duell mit dem SV Bad Kleinen vorzubereiten. Dieser hatte zuletzt im Aufstiegsrennen einiges an Federn lassen müssen, wie ein Vogel in der Mauser, und wollte in diesem Spiel nach dem letzten Strohhalm greifen, um sich doch noch für den zweiten Aufstiegsplatz ins Rennen zu bringen. Den ersten und gleichzeitig damit den Meistertitel hatte sich am Freitagabend bereits SV Schlagsdorf/Mustin gesichert, womit der Durchmarsch des dominanten Aufsteigers perfekt ist.


Nach den Strohhalmen hatten am Vorabend auch Fußballer beider Mannschaften gegriffen und gemeinsam den Tanz in den Mai um eine Nacht verlängert. Jedoch hatte der NSV einen deutlich breiteren Kader vorzuweisen, der Gast rückte nur mit 12 teilweise noch leicht schielenden Leuten an. Das Wetter bot jedoch die perfekte Voraussetzung zum Auskatern, bei über 25 Grad ließ sich der Restalkohol bestimmt gut ausschwitzen.


Coach Baruschke konnte hingegen ganz beruhigt auf den Spielerbogen schauen. Diesmal bot sich ihm ein breites Aufgebot an Spielern, in dem mit Hugo Wende auch der erste zurückkehrende Student der HdBA stand, welcher extra zeitig in die Landeshauptstadt gereist war, um dabei sein zu können. Ansonsten stand erneut ein Großteil der Startelf auf dem Platz, nur Malocher Schöwe gönnte sich einen Wellness-Urlaub und fehlte, dafür rückte Dampfwalze Bebernitz wieder nach hinten links. Damit hatte Koffein-Kevin auch wieder seine geliebte linke Außenbahn zurück. Für Sprinter Hoffmann hieß es heute ausnahmsweise mal nicht „Außen bleiben“, denn Baruschke verfrachtete ihn ins Zentrum, da Spielmacher Dombrowski neben Zengel auf die Sechs rückte. Ein Schachzug, der sich bezahlt machen sollte.


Das Spiel, geleitet von Florian Scharf, begann in den ersten zehn Minuten sehr verhalten. Die Gäste versuchten sich in Distanzschüssen, die Schlussmann Rusch gekonnt vorbeiguckte. Kapitän Schrotti wurde es aber anscheinend schon zu brenzlig, früh orderte er sich das Kreisliga-Wundermittel Eisspray, das Physio Lauri ihm bereitwillig bringen wollte. Jedoch hatte er selbst auf dem Platz eine noch bessere Idee: Ein maßgeschneiderter langer Ball von der Mittellinie fand in Minute 11 R. Holst im Strafraum, dessen Querpass drückte P. Sulkowski in bester Sascha-Mölders-Manier aus kurzer Entfernung über die Linie zur Führung. Danach schienen beim Spielführer die Schmerzen wie weggeschmolzen.


Bad Kleinen hoffte auf die schnelle Antwort, bekam den Bumerang jedoch glatt zurück. Sulkowski verlängerte einen langen Ball nur Augenblicke nach Wiederanpfiff in den Lauf von Hoffmann, der den Ball über Kopfhöhe sehenswert annahm, wie man es sonst nur aus Lewandowski-Zusammenschnitten kennt. Danach überlupfte er den etwas weit aus seinem Kasten stehenden Winterfeld zum schnellen 2:0. Die Rancher waren nun richtig gut im Spiel und wollten weiter nachlegen. Die Gäste boten viel Raum an, den man effizient zu nutzen wusste. Erst beendete Holst seine kleine Torflaute nach Piken-Weiterleitung von Hoffmann, danach erhöhte erneut Hoffmann noch in derselben 18. Minute auf 4:0, als er wie so oft an diesem Tag auf und davon war, Winterfeld umkurvte und ins leere Tor einschob. Die begeisterten Zuschauer und Spieler fühlten sich an das Hinrundenspiel gegen Gostorf erinnert, als man mit einem 6:0 in die Halbzeit ging. Und auch jetzt hörte man einfach nicht auf mit dem Toreschießen, Sulkowski traf unmittelbar vor der Trinkpause nach Querpass von links zum 5:0. In jener von einigen Spielern bereits sehnlich erwarteten Unterbrechung faltete Kapitän Müller seine mit angereisten Kollegen gehörig zusammen wie einen Origamischwan und hoffte auf einen Weckruf dadurch. Dies gelang jedoch nur mittelmäßig, in der 34. Minute spazierte Sulkowski zu einem Fehlpass der Gäste und bediente wieder einmal Hoffmann, der sich wieder einmal nicht zweimal bitten ließ und wieder einmal ein Tor schoss. Damit war der 6:0-Halbzeitstand erreicht, ebenfalls sechs Tore hatte man nur in der Hinrunde im angesprochenen Spiel gegen Gostorf erzielt, interessanterweise hatte Hoffmann damals auch als Zehner getroffen.


Baruschke konnte also mit seinen Recken zufrieden in die Halbzeit gehen, in der sich P. Sulkowski dann verabschieden musste. Die Schicht rief, er hatte aber seine 45 Minuten mit fünf Scorern perfekt ausgenutzt und seine Dürreperiode ohne Tor eindrucksvoll beendet. Für ihn kam Kampfschwein Lode ins Spiel und ersetzte ihn positionsgetreu.


In den zweiten 45 Minuten war den Spielern die Gewissheit des Sieges noch mehr anzumerken als in den letzten Zeigerumdrehungen des ersten Durchgangs. Alle wirkten etwas zu entspannt und unkonzentriert, sodass das zweite große Ziel des Spieltages, kein Gegentor zu bekommen, teilweise bedrohlich schwankte. T. Sulkowski rettete hier mit einem sahnemäßigen Block in letzter Sekunde gegen den Stürmer. Allgemein gab sich Bad Kleinen trotz des großen Rückstands zu keiner Zeit auf und wollte den Fans noch etwas zurückgeben, war aber oft zu ungenau im letzten Drittel, sodass der NSV das meiste gemütlich wegverteidigen konnte. Chancen erspielte man sich jedoch für eine längere Zeit erst einmal nicht mehr. Baruschke wollte dagegen die wortwörtlich Wende einleiten und brachte ihn für Koffein-Kevin, der diesmal nur nach dem Spiel mit seinem gut trainierten Rücken beeindrucken konnte. Nachvollziehbar, wenn man erfährt, dass der arme Junge vor dem Spiel nur drei Red Bull trinken konnte und nahezu kraftlos aufs Spielfeld wanken musste. Außerdem kamen mit der Zeit Nittke für den ausgelaugten und ausgenüchterten Holst, Haudegen Schröder für Dombrowski und L. Holst trotz angeblicher Zehenprellung für den mal wieder angeschlagenen Hahn in die Begegnung.


Mit den Wechseln gingen einige Positionswechsel einher, die die Offensive erneut belebten. Vor allem Lode und Wende zeigten eine engagierte Leistung und ersterer konnte sich mit dem 7:0 belohnen, als er etwas glücklich einen flachen Ball von links an Winterfeld vorbeimogelte, der nicht mehr entscheidend parieren konnte. Neidisch auf diesen Treffer bemühte man die Angriffe nun wieder etwas mehr, um das Torverhältnis noch mehr in die Höhe zu schrauben. Fünf Minuten vor Schluss setzte T. Sulkowski einen schulbuchmäßigen Kopfball nach einer Ecke nur an die Querlatte, den Abpraller drosch Kapitän Schröder jedoch über die Linie und freute sich gefühlt mehr über das 8:0 als über die Geburt seiner Tochter. Für das letzte Highlight sorgte Zengel, als er hundertachtzig Sekunden später den Gamebreaker aus FIFA Street 09 auspackte. Mit einem Sombrero-Flick vernaschte er den Gegner an der Auslinie, umspielte noch den nächsten und ließ auch Winterfeld keine Chance. Seinen Sololauf zum 9:0 rundete er mit erschöpftem Abwinken als Torjubel ab. Wenig später beendete Scharf die Partie und rettete Vorstand Heiko Schröder vor der Peinlichkeit, zu erklären, dass bei einem vermeintlichen zehnten Treffer die digitale Anzeigetafel nicht weitergestellt werden könne, da diese nur die einstelligen Zahlen beherrscht.


Der Neumühler SV steht nach diesem Schützenfest weiterhin auf Platz zwei der Kreisliga SN-NWM, rechnet man die noch ausstehenden drei Punkte vom Spiel gegen Boltenhagen dazu. In einem tollen Fußballspiel, in dem man das Geschehen zu jeder Zeit dominierte, zeigte man sich gerade in der ersten Halbzeit gnadenlos effektiv und konnte dadurch den bisherigen höchsten Saisonsieg einfahren. Dieses Ergebnis kommt zum perfekten Moment, um Rückenwind für das vermutlich wichtigste Spiel der Saison mitzunehmen. Am folgenden 19. Spieltag reist man zum Gostorfer SV um Torjäger Jerome Brandt, der mittlerweile 33-mal getroffen und damit fast die Hälfte der Tore seines Teams erzielt hat. Dieses liegt zwei Punkte hinter dem NSV auf Platz drei und liefert sich mit ihm nun einen Zweikampf um jenen verbleibenden Aufstiegsplatz. Im Hinspiel holten die Schweriner ein überraschendes 8:2 auf der heimischen Ranch, in der Rückrunde könnte sich nun das Aufstiegsrennen entscheiden. Der Mecklenburger SV auf Platz vier hat mit fünf Punkten Abstand auf die Schweriner zwar noch Restchancen, muss als Nächstes aber zum feststehenden Meister nach Mustin reisen. Es ist somit alles für ein packendes Topspiel und einen spannenden 19. Spieltag vorbereitet.


NSV spielte mit: Rusch – Hahn (71. L. Holst), T. Sulkowski, C. Schröder (C), Bebernitz – Zengel, Dombrowski (69. B. Schröder) – R. Holst (69. Nittke), Hoffmann, Salchow (58. Wende) – Sulkowski (46. Lode)


Ebenfalls im Kader: Burghardt

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Mit einem Kantersieg im Gepäck reiste der Neumühler SV am 16. Spieltag der Kreisliga SN-NWM zur Mannschaft mit dem wohl gefürchtetsten Platz: Der Dargetzower SV, der seine Spiele auf der Bebberwiese (was eine Urgewalt von Stadionname) austrägt, ist bekannt für einen Hartplatz, der in dieser Saison schon so manchen Gegner zur Verzweiflung brachte. Jener schmale, von Asche bedeckte Platz am Rande der Hansestadt Wismar lud nicht unbedingt zum Fußballspielen ein, auch wenn er durch seine glatte Beschaffenheit durchaus für gepflegte Passstafetten taugte. Da die Konkurrenz im Aufstiegskampf gepatzt hatte – Bad Kleinen und Boltenhagen trennten sich im direkten Duell unentschieden und der Mecklenburger SV hatte verloren – ergab sich für die Schweriner die große Gelegenheit, den Abstand zu drei der vier Verfolger auszubauen. Für dieses Vorhaben musste Coach Baruschke sein Team jedoch etwas umbauen. Im dieses Mal kleinen Kader nahm mit Stefan Schulz sogar ein Spieler der Alten Herren auf der Bank Platz, um einen Wechsler mehr aufbieten zu können. Im Tor ersetzte Rusch im lustigen Torhüter-Karussell erneut Burghardt, davor spielte Ausbilder Schröder für den abwesenden T. Sulkowski, sodass erstmals in der Rückrunde die Nachkommen des just wiedergewählten Abteilungsleiters die Innenverteidigung bildeten. Hinten links wurde Koffein-Kevin nach seinem Doppelpack aus der Vorwoche mit einer Position weiter hinten belohnt, da hier schlicht die Alternativen fehlten und er dort schon einmal irgendwann gespielt hatte. Auf den offensiven Außen war damit wieder Platz für die zurückkehrenden Hoffmann und R. Holst. Baruschke wusste, dass es heute nicht nur auf das technische Können, sondern auch auf die Widerstandsfähigkeit ankommen würde. Hierfür war auch Sani Lauri da, die wie so oft mit ihrem Zauberkasten voll Wärmesalbe und Eisspray unterstützte. Schon die ersten Schritte beim Warmmachen zeigten, worauf man sich heute einstellen sollte: Bei jedem Schritt staubte es unter dem Schuhwerk, gegebenenfalls surfte man bei schnellen Richtungswechseln kurz auf einer Steinlawine in die ursprüngliche Richtung. Einige Spieler klagten aufgrund der Härte des Platzes über Fußschmerzen und Schlussmann Rusch sah beim Warmschießen alles andere als glücklich aus. Aber es half nichts, Schiedsrichter Brandt, extra aus Ratzeburg für diese Wahnsinnspartie angereist, eröffnete das Spiel. Zengel zeigte zugleich, was man auf dem Geläuf nicht unbedingt zu oft machen sollte, und legte sich nach wenigen Momenten der Länge nach auf die Nase. Der Gastgeber kam etwas besser ins Spiel und verzeichnete erste Distanzschüsse, ohne aber wirklich gefährlich zu werden. Die Gäste kamen nach fünf Minuten der Eingewöhnung vor allem über Rechtsaußen Holst vors Tor, aber auch hier fehlte zu Beginn die letzte Genauigkeit. Besser machte es in der 18. Minute Zengel, der nach Vorlage von P. Sulkowski aus 16 Metern überlegt ins lange Eck einschob. In der Folge drängte der NSV auf den zweiten Treffer, scheiterte aber nach wie vor mehr an sich als am Gegner. Dargetzow versuchte vor allem über Standards gefährlich zu werden und gerade die Ecken wurden brandgefährlich. Eine davon konnte Kapitän Schröder gerade noch am kurzen Pfosten mit den Haarspitzen über den Kasten lenken und somit den Ausgleich verhindern, Rusch wäre hier vermutlich chancenlos gewesen. Ansonsten stand die Abwehrkette gut, Haudegen B. Schröder köpfte alles Runde weg, was sich bewegte, und Salchow kurbelte über seine Seite das Offensivspiel gekonnt an. Dennoch musste man durch eine weitere Ecke das 1:1 unmittelbar vor der Pause hinnehmen. Zuerst klärte Hahn nur unzulänglich, den zweiten Versuch verlängerte Lauer ansatzlos in die Maschen. Ein ärgerlicher Ausgleich, der sich nicht unbedingt angedeutet hatte, auch wenn die Heimmannschaft in einer ausgeglichenen ersten Halbzeit nach dem Rückstand besser geworden war. Somit ging es mit einem Unentschieden in die Pause, aus der Neumühle unverändert kam, während die Gastgeber einmal wechselten. Dieses Mal kamen Erstgenannte besser in den Durchgang, Spielmacher Dombrowski erzielte in der 50. Minute technisch fein per Lupfer die erneute Führung, Schlussmann Ruge flog und streckte sich vergebens. Doch dieses Mal sollte der Spielstand nicht mal sechzig Sekunden bestehen bleiben, Günther glich aus Abseitsposition ebenfalls per Lupfer wieder aus. Alles Reklamieren half nichts, der Unparteiische Brandt blieb bei seiner Entscheidung. Unmittelbar danach gab es für Dargetzow die Möglichkeit, erstmalig selbst in Front zu gehen, doch Keeper Rusch rettete seine Farben gekonnt per Pressschlag und brauchte anschließend jeden Millimeter seiner Tentakelarme, um den Ball zu sichern. Dies nutzten die Gäste als Wachruf und steigerten ihre Bemühungen um das dritte Tor erneut, nach wie vor kam man auf dem Platz aber noch nicht wirklich klar und konnte nur wenig Zählbares herausspielen. Baruschke reagierte und brachte in der 62. Minute Hampusch für Holst, neun Minuten später kam Kampfkoloss Schulz vor den Schweriner Sascha Mölders, P. Sulkowski. Beide Joker verliehen den Angriffen neue Dynamik und wurden zum wichtigen Faktor in den restlichen Minuten. Gerade Hampusch tat sich hier hervor, unter anderem mit seinem schönen Lupfertor in Minute 71 zum langersehnten 2:3. Wenig später erinnerte sein Sprint außerhalb des Spielfeldes an Prime Gareth Bale, auch wenn in dieser Situation kein Tor dabei herauskam. In einer intensiven Partie ging es nun darum, die Führung dieses Mal nicht zu verspielen, während die Gastgeber erneut gleichziehen wollten, aber nun an der Defensive des NSV scheiterten, die sich mit Hand und Fuß dagegen wehrte. Bestes Beispiel dafür war ein taktisches Foul von Hahn, der seinem Gegner die Hand reichte und dessen Flosse sekundenlang festhielt, obwohl dieser eigentlich in Richtung Tor unterwegs sein wollte. Brandt war anscheinend begeistert von diesem lässigen Handschlag und verzichtete seltsamerweise auf eine gelbe Karte in einer größtenteils sehr fairen Begegnung. Drei Minuten vor Schluss brachte Baruschke noch Nittke für Hoffmann, um das Ergebnis zu sichern. Dies gelang weiterhin relativ ungefährdet, weshalb Brandt mit seinem Abpfiff später den immens wichtigen Auswärtssieg der Landeshauptstädter offiziell machte. In einem umkämpften Spiel von überschaubarem Niveau gingen somit die Neumühler mit dem besseren Ende vom Hartplatz und können ihren Vorsprung auf die Konkurrenz ausbauen. Nur Gostorf um den sich in Top-Super-Ultraform befindlichen Torjäger und Schirinamensvetter Brandt bleibt nach wie vor zwei Punkte hinter dem NSV auf Platz drei. Ganz vorne steht Spitzenreiter Schlagsdorf/Mustin dagegen kurz vor der Meisterschaft und benötigt dafür nur noch läppische sechs Punkte aus den verbleibenden sechs Spielen. Für die Schweriner beginnen im Kampf um den verbleibenden Aufstiegsplatz nun die Wochen der Wahrheit mit aufeinanderfolgenden direkten Duellen gegen Boltenhagen, Bad Kleinen und eben Gostorf. Durch den hart erarbeiteten Sieg hat man dafür eine gute Grundlage, auch wenn Dargetzow einem viel abverlangte und sich auf Augenhöhe zeigte. In einem Spiel ohne viele echte Chancen entschied am Ende die bessere Durchschlagskraft im Angriff, gepaart mit einer rigorosen Verteidigung, die sich im wahrsten Sinne des Wortes in den Gesichtern der Spieler widerspiegelte. B. Schröders sonst kahle Platte hatte eine aschblonde Farbe angenommen, Zengels Gesicht sah aus, als wäre er auf einen staubigen Bilderrahmen gefallen. In Vorbereitung auf das Aufeinandertreffen mit dem Viertplatzierten SV Bad Kleinen kann man nun die Zeit investieren, um Staub sowie Steinchen aus Klamotten, Lunge, Haaren und Epidermis herauszuwaschen. NSV spielte mit: Rusch – Hahn, B. Schröder, C. Schröder (C), Salchow – Zengel, Schöwe – Holst (62. Hampusch), Dombrowski, Hoffmann (87. Nittke) – P. Sulkowski (71. Schulz)
14. April 2026
Der 15. Spieltag der Kreisliga SN-NWM hielt das Duell zweier Teams mit sagenumwobenen Fußballplätzen bereit. Der Neumühler SV empfing auf der für ihre Schlaglöcher bekannten „Ranch“ den Groß Salitzer FC aus dem unteren Tabellenfeld, der für sein klitzekleines Spielfeld inmitten eines Maisfeldes bekannt ist. Dort hatten sie zuletzt den Aufstiegsanwärtern aus Bad Kleinen und Boltenhagen insgesamt vier Punkte abgetrotzt und damit in der Rückrunde bei einer zwischenzeitlichen Niederlage gegen Dargetzow genauso viele Punkte gesammelt wie der Gastgeber, der die erneut bittere Niederlage gegen den Mecklenburger SV aus der Vorwoche noch verdauen musste. Dennoch ging dieser als Tabellendritter als klarer Favorit in diese Partie. Die Schweriner reagierten auf die zuletzt mangelnde Effizienz und den Ausfall des Flügelduos Hoffmann/Holst mit einigen taktischen und personellen Umstellungen. So rückte Abräumer Hahn in bester Kimmich-Manier von der Sechs nach rechts hinten, um dort für Zucht und Ordnung zu sorgen. P. Sulkowski belebte sein Alter Ego „Stürmer-Sulkowski“ wieder und wurde von Coach Baruschke auf dessen verzweifelter Suche nach einem Goalgetter wieder auf seine ursprüngliche Paradeposition zurückversetzt. Dafür wechselte Zengel trotz seines Tores in der Vorwoche ins defensive Mittelfeld, um gemeinsam mit Allstar Schöwe das Spiel zu dirigieren. Dampfwalze Bebernitz, der dieses Mal zwar nüchtern, dafür aber zu spät kam (Was ist einem jetzt wohl lieber?), rutschte links aus der Verteidigung auf den linken Flügel, für ihn sollte links hinten L. Holst dichtmachen. Rechtsaußen durfte Koffein-Kevin ran, der seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf nur aus Energy-Drinks bezieht. Hinten rotierte Burghardt für Rusch ins Tor. Dombrowski war glücklicherweise rechtzeitig geworden und startete erneut auf der Zehn. Solche Personaloptionen hätte sich wohl auch der Gast gewünscht, der am Vorabend nur zehn Mann zusammen hatte, durch eine groß angelegte Umfrage aber doch noch sechs Spieler mehr gefunden hatte. Darunter auch einen laut eigener Aussage „fetten, hässlichen 36-Jährigen direkt aus der Nachtschicht“, der es doch geradewegs in die Startelf schaffte, während das junge Gemüse vorerst auf der Bank blieb. Vermutlich wollte der Gegner zuerst das Alte verbrauchen, bevor etwas Neues abgenutzt wird. Dafür zeigte sich das Sturmduo Dräger/Weinig zuletzt in Topform und hatte bereits über 20 Mal getroffen. Und dieses Gespann sorgte nur sechs Minuten nach Anpfiff von Schiedsrichter Alexander Pätsch für die frühe Führung der Groß Salitzer. Nach einem Ballverlust durch Schöwe rannten die Angreifer gemeinsam auf Burghardt zu, nach Drägers Querpass schob Weinig routiniert ins leere Tor ein. Bereits zuvor hatte man nach einem Stockfehler von Burghardt den Ball aus aussichtsreicher Position nur über das halbleere Tor bugsiert. Der schnelle Schock für den NSV, der daraufhin seine Offensivbemühungen intensivierte und zu ersten Gelegenheiten kam. Aber auch Groß Salitz kam zu einigen Abschlüssen, unter anderem nach einem Freistoß, den Hahn mit einem klassischen Arschtritt verursacht hatte. Neumühles Chancen wurden jedoch vergeben wie die Sünden am Beichtstuhl. Bebernitz und Dombrowski ließen beste Gelegenheiten aus und man konnte sich schon an die Vorwoche erinnert fühlen, als man in der ersten Halbzeit zu wenig aus seinen Chancen machte. Doch dann brachte der klassische Kreisliga-Komet die Erlösung. Ein solcher flog in Minute 24 in den gegnerischen Strafraum, nachdem er kurz die Artemis II beim Landeanflug gestreift hatte. Salchow zog per Volley ab und traf den Ball für alle Parteien überraschend gut, sodass er am verdutzten Schmidt vorbeihüpfte und mithilfe des Innenpfostens die Linie überquerte. Dass Koffein-Kevin diese Kraft hatte, obwohl er bisher nur drei Monster Energy Drinks getrunken hatte und den vierten bei der panischen Suche nach seinen Stutzen vergessen hatte, grenzte schon an Magie. Der Kontrahent wirkte nach dem Ausgleich sehr passiv und kam kaum noch aus der eigenen Hälfte, der Neumühler SV drückte auf den zweiten Treffer wie Jugendliche auf einen Pickel und scheiterte vielfach an sich selbst. So musste die Verteidigung ran, um in Minute 32 die Weichen Richtung Sieg zu stellen. Nach einer Ecke verlängerte T. Sulkowski, jetzt offiziell wieder Abwehr-Sulkowski, den Ball gekonnt per überraschender Bauch-Direktabnahme in Richtung Tor. Hahn, der im Fünfer lauerte, reagierte blitzschnell, zog aus der Drehung ab und stopfte den Ball gekonnt unter dem Torwart hindurch ins Gehäuse zur hochverdienten Führung. Nur hundertachtzig Sekunden später erhöhte Bebernitz nach Vorlage von Dombrowski auf 3:1. Damit ging es auch später in die Halbzeit, Schmidt bewahrte sein Team mit guten Paraden vor der Pause noch vor weiteren Gegentoren. Baruschke zeigte sich nur angesichts des Zwischenstandes zufrieden, ansonsten tat sich sein Team größtenteils schwer, ein vernünftiges Spiel abzuliefern. Vor allem die Chancenverwertung war erneut das große Manko. Er forderte besonders aufmerksame fünfzehn Minuten nach Wiederanpfiff, um die Partie so zu entscheiden. Die Schweriner setzten genau das sofort um. Zengel fing nach Anstoß einen gegnerischen Pass ab und spielte sofort nach vorne, Dombrowski streichelte den Ball wie ein Pfarrer den Schopf eines Jünglings im Kloster, und Salchow vollstreckte eiskalt zum 4:1. Kurz darauf verwehrte er sich selbst den Hattrick, als er aus kurzer Distanz nur die Latte traf, auch wenn er und Kronzeuge Bebernitz behaupteten, die Kugel hätte danach die Linie überquert. Pätsch sah es wie oft an diesem Tag anders. Der Groß Salitzer FC wehrte sich mit zunehmenden Gegentoren vermehrt mit rustikaler Zweikampfführung, die oft die Grenze des Erlaubten überschritt. Nach vorne wurde er nur einmal gefährlich, als Burghardt sensationell parieren konnte und sich damit das Lob von Mit- und Gegenspielern, Trainern, Nachbarshunden, Vögeln und Regenwürmern einholte. Schröders Torwarttraining hatte sich damit mehr als bezahlt gemacht. Nach wie vor war es ansonsten ein Spiel auf ein Tor, auch wenn die Spannung bei Neumühle merklich nachließ. So dauerte es bis zur 62. Minute, um in Person von Dombrowski auf 5:1 zu stellen. Nach dieser Vorentscheidung wechselte Baruschke zweimal und brachte Hampusch und B. Schröder für Salchow und T. Sulkowski in der 72. Minute. Nur zwei Zeigerumdrehungen später stellte Zengel auf 6:1, als er nur noch ins leere Tor einschieben musste. Daraufhin tauschte der Hauptübungsleiter erneut und schickte Lode und Maschler für Bebernitz und den glücklosen P. Sulkowski, der von einem Gegenspieler vollkommen zu Unrecht mit Sascha Mölders verglichen wurde, auf den Platz. Kurz darauf schwächte sich der Gast mit einer Gelb-Roten Karte selbst, sodass der gelb-blaue Sturmlauf in der Schlussviertelstunde weiterging. Durch viele falsche Entscheidungen im letzten Drittel, zu schwache Abschlüsse oder einige gute Paraden von Schmidt verpasste man lange den siebten Treffer. Zum Schluss hatte man noch mehr Pech, als sich Maschler verletzte und man zu zehnt zu Ende spielen musste. Erst in der Nachspielzeit war man nach einer schönen Kombination erfolgreich. L. Holst zeigte seinen inneren Brasilianer und spielte einen hohen Ball mit der Schulter zu Hampusch, der direkt verlängerte. Zuletzt tauchte Joker Lode vor dem Tor auf, benutzte seine Pike als Billard-Queue und schnippelte so die Kugel damit wie auch immer am Keeper vorbei ins Netz. Große Freude herrschte im Team über seinen Premierentreffer und die Kiste, die damit einhergeht. Pätsch war anscheinend ein Freund von langen Spielen und hatte trotz des eindeutigen Ergebnisses fünf Minuten zusätzlich verhängt. Diese endeten kurz danach, als Dombrowski unmittelbar nach Anstoß einen langen Ball von Schmidt blockte, der danach eigentlich Lode klar foulte und einen Elfmeter verursacht hätte, wäre nicht irgendwo in dieser Situation das Spiel für den Unparteiischen beendet gewesen. Mit seinem letzten von vielen wirren Pfiffen und Nichtpfiffen beendete er so das Spiel. Durch die Niederlage des Mecklenburger SV im Parallelspiel gegen Gostorf rutscht der NSV damit wieder auf Platz zwei der Tabelle und hat nun zwei Punkte Vorsprung auf das Trio aus Mecklenburg, Bad Kleinen und Gostorf. Boltenhagen lauert mit drei Zählern weniger dahinter, Burgseeverein Schwerin hat sich nach nur einem Punkt gegen die Kellerkinder aus Sievershagen und Parum/Dümmer aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet, in dem Schlagsdorf/Mustin mit 13 Punkten Vorsprung an der Spitze einsam seine Kreise zieht, was den Kampf um den verbliebenen Aufstiegsplatz umso heißer werden lässt. In diesem geht es für Neumühle bald richtig zur Sache. Nach einer Reise auf den legendären Platz in Dargetzow, der aussieht wie ein Parkplatz, aber ein zugelassenes Spielfeld ist, geht es gegen drei direkte Konkurrenten nacheinander. Hierfür wird es vor allem eine deutlich bessere Effizienz benötigen als in diesem Spiel, auch wenn der Gegner trotz Frühstart letztlich chancenlos war und nur sehr wenig auf den Platz brachte. Die Schweriner zeigten sich auch aufgrund der Überzahl fußballerisch verbessert, hätten aber eigentlich eine zweistellige Anzahl an Toren erzielen müssen, was auch Baruschke ärgerte. Dennoch unterstreicht man mit diesem Kantersieg seine Ambitionen, gerade wenn man das Ergebnis mit dem mauen 1:1 aus dem Hinspiel vergleicht. Insgesamt steht man nach vier Spielen der Rückrunde nun bei sieben Punkten, in der Hinrunde hatte man damals nur zwei Punkte gesammelt und belegte den vorletzten Platz. Durch das Unentschieden begann damals eine Serie von zehn ungeschlagenen Spielen in Folge. Der Erfolg ist nun hoffentlich erneut Startpunkt einer weiteren Reihe erfolgreicher Ergebnisse. Neumühle spielte mit: Burghardt – Hahn, T. Sulkowski (72. B. Schröder), C. Schröder (C), L. Holst – Zengel, Schöwe – Salchow (72. Hampusch), Dombrowski, Bebernitz (75. Lode) – P. Sulkowski (75. Maschler) Ebenfalls im Kader: Pohl (na ja, so halbwegs zumindest)
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