Bad Kleinen hoff(i)nungslos unterlegen – NSV mit spektakulärem Kantersieg
Bad Kleinen hoff(i)nungslos unterlegen – NSV mit spektakulärem Kantersieg

Der Fußballgott meinte es gut mit dem Neumühler SV. Nach dem hart erarbeiteten Sieg gegen Dargetzow am 16. Spieltag gab es am folgenden Spieltag frei, weil der SC Ostseebad Boltenhagen keine Mannschaft zusammenbekam und kurzfristig absagen musste. Somit hatte man eine Woche mehr Zeit, um sich die restliche Asche aus sämtlichen Ritzen zu puhlen und sich auf das Duell mit dem SV Bad Kleinen vorzubereiten. Dieser hatte zuletzt im Aufstiegsrennen einiges an Federn lassen müssen, wie ein Vogel in der Mauser, und wollte in diesem Spiel nach dem letzten Strohhalm greifen, um sich doch noch für den zweiten Aufstiegsplatz ins Rennen zu bringen. Den ersten und gleichzeitig damit den Meistertitel hatte sich am Freitagabend bereits SV Schlagsdorf/Mustin gesichert, womit der Durchmarsch des dominanten Aufsteigers perfekt ist.
Nach den Strohhalmen hatten am Vorabend auch Fußballer beider Mannschaften gegriffen und gemeinsam den Tanz in den Mai um eine Nacht verlängert. Jedoch hatte der NSV einen deutlich breiteren Kader vorzuweisen, der Gast rückte nur mit 12 teilweise noch leicht schielenden Leuten an. Das Wetter bot jedoch die perfekte Voraussetzung zum Auskatern, bei über 25 Grad ließ sich der Restalkohol bestimmt gut ausschwitzen.
Coach Baruschke konnte hingegen ganz beruhigt auf den Spielerbogen schauen. Diesmal bot sich ihm ein breites Aufgebot an Spielern, in dem mit Hugo Wende auch der erste zurückkehrende Student der HdBA stand, welcher extra zeitig in die Landeshauptstadt gereist war, um dabei sein zu können. Ansonsten stand erneut ein Großteil der Startelf auf dem Platz, nur Malocher Schöwe gönnte sich einen Wellness-Urlaub und fehlte, dafür rückte Dampfwalze Bebernitz wieder nach hinten links. Damit hatte Koffein-Kevin auch wieder seine geliebte linke Außenbahn zurück. Für Sprinter Hoffmann hieß es heute ausnahmsweise mal nicht „Außen bleiben“, denn Baruschke verfrachtete ihn ins Zentrum, da Spielmacher Dombrowski neben Zengel auf die Sechs rückte. Ein Schachzug, der sich bezahlt machen sollte.
Das Spiel, geleitet von Florian Scharf, begann in den ersten zehn Minuten sehr verhalten. Die Gäste versuchten sich in Distanzschüssen, die Schlussmann Rusch gekonnt vorbeiguckte. Kapitän Schrotti wurde es aber anscheinend schon zu brenzlig, früh orderte er sich das Kreisliga-Wundermittel Eisspray, das Physio Lauri ihm bereitwillig bringen wollte. Jedoch hatte er selbst auf dem Platz eine noch bessere Idee: Ein maßgeschneiderter langer Ball von der Mittellinie fand in Minute 11 R. Holst im Strafraum, dessen Querpass drückte P. Sulkowski in bester Sascha-Mölders-Manier aus kurzer Entfernung über die Linie zur Führung. Danach schienen beim Spielführer die Schmerzen wie weggeschmolzen.
Bad Kleinen hoffte auf die schnelle Antwort, bekam den Bumerang jedoch glatt zurück. Sulkowski verlängerte einen langen Ball nur Augenblicke nach Wiederanpfiff in den Lauf von Hoffmann, der den Ball über Kopfhöhe sehenswert annahm, wie man es sonst nur aus Lewandowski-Zusammenschnitten kennt. Danach überlupfte er den etwas weit aus seinem Kasten stehenden Winterfeld zum schnellen 2:0. Die Rancher waren nun richtig gut im Spiel und wollten weiter nachlegen. Die Gäste boten viel Raum an, den man effizient zu nutzen wusste. Erst beendete Holst seine kleine Torflaute nach Piken-Weiterleitung von Hoffmann, danach erhöhte erneut Hoffmann noch in derselben 18. Minute auf 4:0, als er wie so oft an diesem Tag auf und davon war, Winterfeld umkurvte und ins leere Tor einschob. Die begeisterten Zuschauer und Spieler fühlten sich an das Hinrundenspiel gegen Gostorf erinnert, als man mit einem 6:0 in die Halbzeit ging. Und auch jetzt hörte man einfach nicht auf mit dem Toreschießen, Sulkowski traf unmittelbar vor der Trinkpause nach Querpass von links zum 5:0. In jener von einigen Spielern bereits sehnlich erwarteten Unterbrechung faltete Kapitän Müller seine mit angereisten Kollegen gehörig zusammen wie einen Origamischwan und hoffte auf einen Weckruf dadurch. Dies gelang jedoch nur mittelmäßig, in der 34. Minute spazierte Sulkowski zu einem Fehlpass der Gäste und bediente wieder einmal Hoffmann, der sich wieder einmal nicht zweimal bitten ließ und wieder einmal ein Tor schoss. Damit war der 6:0-Halbzeitstand erreicht, ebenfalls sechs Tore hatte man nur in der Hinrunde im angesprochenen Spiel gegen Gostorf erzielt, interessanterweise hatte Hoffmann damals auch als Zehner getroffen.
Baruschke konnte also mit seinen Recken zufrieden in die Halbzeit gehen, in der sich P. Sulkowski dann verabschieden musste. Die Schicht rief, er hatte aber seine 45 Minuten mit fünf Scorern perfekt ausgenutzt und seine Dürreperiode ohne Tor eindrucksvoll beendet. Für ihn kam Kampfschwein Lode ins Spiel und ersetzte ihn positionsgetreu.
In den zweiten 45 Minuten war den Spielern die Gewissheit des Sieges noch mehr anzumerken als in den letzten Zeigerumdrehungen des ersten Durchgangs. Alle wirkten etwas zu entspannt und unkonzentriert, sodass das zweite große Ziel des Spieltages, kein Gegentor zu bekommen, teilweise bedrohlich schwankte. T. Sulkowski rettete hier mit einem sahnemäßigen Block in letzter Sekunde gegen den Stürmer. Allgemein gab sich Bad Kleinen trotz des großen Rückstands zu keiner Zeit auf und wollte den Fans noch etwas zurückgeben, war aber oft zu ungenau im letzten Drittel, sodass der NSV das meiste gemütlich wegverteidigen konnte. Chancen erspielte man sich jedoch für eine längere Zeit erst einmal nicht mehr. Baruschke wollte dagegen die wortwörtlich Wende einleiten und brachte ihn für Koffein-Kevin, der diesmal nur nach dem Spiel mit seinem gut trainierten Rücken beeindrucken konnte. Nachvollziehbar, wenn man erfährt, dass der arme Junge vor dem Spiel nur drei Red Bull trinken konnte und nahezu kraftlos aufs Spielfeld wanken musste. Außerdem kamen mit der Zeit Nittke für den ausgelaugten und ausgenüchterten Holst, Haudegen Schröder für Dombrowski und L. Holst trotz angeblicher Zehenprellung für den mal wieder angeschlagenen Hahn in die Begegnung.
Mit den Wechseln gingen einige Positionswechsel einher, die die Offensive erneut belebten. Vor allem Lode und Wende zeigten eine engagierte Leistung und ersterer konnte sich mit dem 7:0 belohnen, als er etwas glücklich einen flachen Ball von links an Winterfeld vorbeimogelte, der nicht mehr entscheidend parieren konnte. Neidisch auf diesen Treffer bemühte man die Angriffe nun wieder etwas mehr, um das Torverhältnis noch mehr in die Höhe zu schrauben. Fünf Minuten vor Schluss setzte T. Sulkowski einen schulbuchmäßigen Kopfball nach einer Ecke nur an die Querlatte, den Abpraller drosch Kapitän Schröder jedoch über die Linie und freute sich gefühlt mehr über das 8:0 als über die Geburt seiner Tochter. Für das letzte Highlight sorgte Zengel, als er hundertachtzig Sekunden später den Gamebreaker aus FIFA Street 09 auspackte. Mit einem Sombrero-Flick vernaschte er den Gegner an der Auslinie, umspielte noch den nächsten und ließ auch Winterfeld keine Chance. Seinen Sololauf zum 9:0 rundete er mit erschöpftem Abwinken als Torjubel ab. Wenig später beendete Scharf die Partie und rettete Vorstand Heiko Schröder vor der Peinlichkeit, zu erklären, dass bei einem vermeintlichen zehnten Treffer die digitale Anzeigetafel nicht weitergestellt werden könne, da diese nur die einstelligen Zahlen beherrscht.
Der Neumühler SV steht nach diesem Schützenfest weiterhin auf Platz zwei der Kreisliga SN-NWM, rechnet man die noch ausstehenden drei Punkte vom Spiel gegen Boltenhagen dazu. In einem tollen Fußballspiel, in dem man das Geschehen zu jeder Zeit dominierte, zeigte man sich gerade in der ersten Halbzeit gnadenlos effektiv und konnte dadurch den bisherigen höchsten Saisonsieg einfahren. Dieses Ergebnis kommt zum perfekten Moment, um Rückenwind für das vermutlich wichtigste Spiel der Saison mitzunehmen. Am folgenden 19. Spieltag reist man zum Gostorfer SV um Torjäger Jerome Brandt, der mittlerweile 33-mal getroffen und damit fast die Hälfte der Tore seines Teams erzielt hat. Dieses liegt zwei Punkte hinter dem NSV auf Platz drei und liefert sich mit ihm nun einen Zweikampf um jenen verbleibenden Aufstiegsplatz. Im Hinspiel holten die Schweriner ein überraschendes 8:2 auf der heimischen Ranch, in der Rückrunde könnte sich nun das Aufstiegsrennen entscheiden. Der Mecklenburger SV auf Platz vier hat mit fünf Punkten Abstand auf die Schweriner zwar noch Restchancen, muss als Nächstes aber zum feststehenden Meister nach Mustin reisen. Es ist somit alles für ein packendes Topspiel und einen spannenden 19. Spieltag vorbereitet.
NSV spielte mit: Rusch – Hahn (71. L. Holst), T. Sulkowski, C. Schröder (C), Bebernitz – Zengel, Dombrowski (69. B. Schröder) – R. Holst (69. Nittke), Hoffmann, Salchow (58. Wende) – Sulkowski (46. Lode)
Ebenfalls im Kader: Burghardt
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