Willkommen beim Neumühler SV

20. Oktober 2026
Mit dem 8:0-Heimsieg gegen die SG Schlagsdorf/Mustin hatte der Neumühler SV frischen Wind für das Duell mit dem Lokalrivalen Dynamo Wismar II mitgenommen und hoffte auf eine Fortsetzung des bisher positiven Saisonverlaufs. Anhand der Tabelle war die Favoritenrolle schnell geklärt. Der Aufsteiger von der Ranch belegte mit 12 Punkten Platz Vier, während der Gastgeber bisher nur einmal gewinnen konnte und im Tabellenkeller festhing. Coach Baruschke musste ordentlich die Rotationsmaschine anschmeißen, denn aus der letzten Startelf fehlten einige Spieler. Zeitgleich kehrten aber auch altbekannte Gesichter zurück auf den Spielbogen. Vor allem mit Geschwistern wurde wild gefeilscht. Hinten rechts ersetzte P. Sulkowski seinen jüngeren Brüder, der lädierte Lankow-Locals-Leader Lenny stand anstelle von Ich-und-mein-R. Holst im Kader. Außerdem hatte Abräumer Hahn frisch von den Magdeburger Wiesn und seelisch gereinigt durch Mickie Krause den Weg in die Wolf-Systeme-Arena gefunden. Nach erfolgreich ausgerichteten Festival war auch Genkel wieder am Start. Besonders war die Partie auch für die beiden ehemaligen Spieler der Zweitvertretung des Verbandsligisten. Toptorjäger Entelmann, mittlerweile bereits so berühmt-berüchtigt wie Cat in the hat in der Schweriner Umgebung, und Boller verbrachten die letzte Saison am falschen Ende der Stadt. Die zwei zeigten sich hochmotiviert und analysierten akribisch das Personal des Gegners, bei dem sich zur allgemeinen Beruhigung keiner aus der ersten Mannschaft zeigte. Interessant wurde es im Mittelfeld, wo Schöwe und Hahn die Doppelsechs bildeten. Dies führte zu dem einmaligen Umstand, dass Hahn beim Fünf-gegen-Fünf in Team Offensive spielte. 80 Zuschauer waren eingekehrt, um bei Sturm und teilweise Regen diesem Spiel beizuwohnen. Geleitet wurde das Spiel von Schiedsrichter Wirth, der den NSV bereits in Selmsdorf gepfiffen hatte. Bereits von Anfang zeigte sich, dass es kein leichtes Spiel werden sollte. Mit dem kräftigen Gegenwind im Gesicht fiel es Neumühle schwer, den Ball produktiv zu bewegen. Dynamo stand tief und lauerte auf Konter über hohe Bälle, die durch die Böen überaus gefährlich wurden. Viel spielte sich im Mittelfeld ab. Nach einer Viertelstunde war es der Underdog, der als Erstes ins Netz traf. Im Strafraum bekam Gerhardt den Ball in rechter Position und zog ab. Der flache und platzierte Schuss zischte über den Rasen und schlug knapp hinter dem langen Pfosten ein, Hexer Rusch war chancenlos bei diesem Führungstreffer, der etwas aus dem Nichts kam. Danach passierte lange Zeit kaum noch etwas Erwähnenswertes. Bis auf ein paar gelbe Karten musste Wirth nichts weiter notieren. Einen Schreckmoment gab es, als Dynamos Schugens mit Ausbilder Schröder kollidierte und behandelt werden musste. Kurz sah es nach einer schlimmeren Verletzung aus, am Ende konnte er immerhin das Feld auf eigenen Füßen verlassen und sein Team anfeuern. Für ihn kam Dudaev ins Spiel, der in der Saison mit einem Viererpack bereits auf sich aufmerksam gemacht hatte. Kurz vor der Halbzeit gab es einen Aufreger, als der Boller-Wagen gegen seinen Ex-Klub durch war und von Schlussmann Bley außerhalb des Strafraums umgesenst wurde. Da noch zwei Verteidiger in der Nähe waren, ging die folgende gelbe Karte in Ordnung, auch wenn die Neumühler Bank gerne einen Platzverweis gesehen hätte. Den anschließenden Freistoß drosch Boller wie gewohnt mit Mach Sechs ins Torwarteck, wo ihn Bley gekonnt um den Pfosten lenkte. Diese Aktion stellte den ersten echten Abschluss für die Angereisten dar, die sich mit dem großen Platz und dem aggressiven Auftreten der Gegner schwertaten. Viele Flugbälle endeten im Nichts. Im Spiel nach vorne stimmte die Positionierung nicht und defensiv war man anfälliger als ein Lehrer für Burnout. Somit ging es mit einem nicht unverdienten 0:1-Rückstand in die Pause. Dort zeigte sich Baruschke trotz des bisher dürftigen Auftrittes seines Mannschaft noch optimistisch, das Spiel noch drehen zu können. Wechsel nahm er vorerst nicht vor und traute dem Team zu, mit Rückenwind und etwas anderer Taktik noch zu gewinnen. Die zweiten 45 Minuten begannen mit neuem Elan des Neumühler SV. Durch den nun günstigen Rückenwind konnte der Kontrahent seine langen Bälle nicht mehr so effizient spielen, man kam schneller wieder in Ballbesitz und schnürte Dynamo ein. Doch immer noch tat man sich mit dem Erspielen echter Chancen schwer. Selbst als Bley mithalf und bei einem eigentlich ungefährlichen Kullerball in seinem Sechzehner pennte, kam er doch noch schnell genug an den Ball, um ihn vor dem bereits geiernden Boller zu klären. Da erkannte Abräumer Hahn, dass sein Team frisches Blut benötigte. Seinen räudigen Kadaver schleppte er zur Bank und wurde ersetzt durch Ludwigs, der in Minute 64 das Feld betrat. Prompt schien die Mannschaft befreit von einer Last und erzielte den Ausgleich. Unmittelbar nach der Auswechslung gab es eine Ecke, die noch geklärt wurde. Den zweiten Anlauf schnippelte Dombrowski in die Box auf den freien Entelmann. Dieser verlängerte das Spielgerät gekonnt per seitlich hinplumpsenden Bauchklatscherkopfball, der Grap vor Neid erblassen ließ. Bley rutschte der Ball zwischen den Beinen durch, das Derby war wieder auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Durch den Ausgleich beflügelt drückten die Gäste nun auf die Führung, aber das Offensivspiel lahmte auch nach der Hereinnahme von Allstar Grap immer noch. Auch mit Dombrowski als zentralem Spielgestalter hinter der Doppelspitze Ludwigs/Grap hinkte der Angriff wie ein gichtkranker Pirat mit Holzbein. Die beste Chance vergab Grap, als ihm nach einer Ecke und eines Griff ins Leere des sonst so sicheren Bleys der Ball unvorbereitet auf die Platte fiel. Sein zufälliger Kopfball wurde aber noch vor der Linie geklärt. Auf der Gegenseite wurde Dynamo in der Schlussviertelstunde plötzlich offensiv aktiv und vergab zwei Riesenchancen auf die erneute Führung. Erst wurde Rusch überlupft und hatte Glück, dass der frei vor ihm stehende Stürmer das Tor verfehlte. Kurz darauf schaffte es doch tatsächlich ein Spieler, die Kugel alleine vor dem Neumühler Schlussmann so schlecht anzunehmen, dass sie in die Tentakeln des Adlers Rusch hüpften wie Entlein in die Hände von Disney-Prinzessinnen. Ansonsten wäre hier aus vier Metern Torentfernung wohl das 2:1 gefallen. Und so schlug in der 89. Minute die Stunde von Dombrowski. Aus großer Distanz zog er ab und scheuerte einen faszinierenden Flatterball auf das feindliche Gehäuse. Den wild in der Luft zappelnden Ball konnte Bley nicht abwehren, der NSV hatte das umkämpfte Derby gedreht. Zu diesem Moment spielte man seit fast zehn Minuten in einer kaum bemerkbaren Überzahl, nachdem ein Verteidiger des Heimteams längst überfällig des Feldes verwiesen wurde. Dynamo blies anschließend zur Schlussoffensive und erspielte sich mehrere aussichtsreiche Situationen, doch in den entscheidenden Momenten war immer ein Verteidigerbein eines gelb gekleideten Spielers dazwischen. Gerade Dudaev zeigte sich hier als permanenter Unruheherd, gegen den selbst das wilde Gestocher und Getrete von Kapitän Schrotti kaum half. Am Ende ging aber alles gut aus. So schaffte man es, den knappen Vorsprung mit viel Mühe über die Zeit zu bringen. Am Ende des Tages steht ein hart umkämpfter Derbysieg für den Neumühler SV. Nach einer dürftigen ersten Halbzeit steigerte man sich im zweiten Durchgang und konnte dabei auf den Rückenwind als zwölften Mann zählen. Somit geht man in einem Spiel, das eigentlich ein klassisches Unentschieden sein müsste, als Gewinner vom Platz und schafft es, Siege auch zu erzwingen. Dies zeigt eine wahrnehmbare Steigerung im Vergleich zur Niederlage gegen Klütz, die vom Spielverlauf ähnlich war. In der Tabelle ist man neben dem Brüeler SV der große Gewinner des Spieltages, da ansonsten alle anderen Teams aus der oberen Tabellenhälfte gegen Mannschaften von unten verloren. Der NSV steht damit auf dem zweiten Platz mit 15 Punkten und nur einem weniger als der Spitzenreiter aus Selmsdorf. Dahinter lauern Roggendorf und Brüel mit 14 Punkten. Die SG Schlagsdorf/Mustin hat ein Spiel weniger und könnte mit einem Sieg mit den Schwerinern gleichziehen. Holthusen, Neukloster und Neuburg vervollständigen die restlichen Plätze mit zweistelliger Punktzahl. Es bleibt also nach wie vor eng im Kampf um die Aufstiegsplätze. Wichtig für Coach Baruschke wird aber sein, dass man jetzt schon ein großes Polster auf die Abstiegsränge hat, wo Dynamo Schwerin II nach wie vor klebt. Als Nächstes empfängt man auf der heimischen Ranch den bereits angesprochenen Brüeler SV von Platz Vier. Es steht also das nächste Spitzenspiel für den Aufsteiger an, besonders gefährlich bei den Gästen zeigte sich Pöhle mit 10 Toren. Damit führt er die Torjägerliste zusammen mit Railian vom VFL Blau-Weiß Neukloster an, dahinter steht Entelmann mit 7 Treffern. Es stehen also alle Zeichen auf das nächste Fußballfest. NSV spielte mit: Rusch - P. Sulkowski, Genkel, B. Schröder, C. Schröder (C) - Hahn (64. Ludwigs), Schöwe - Bebernitz, Dombrowski, Boller - Entelmann (78. Grap) Ebenfalls im Kader: L. Holst
9. Oktober 2026
Nachdem bisher so erfolgreichen Saisonstart in die Kreisoberliga SN-NWM musste der Neumühler SV am fünften Spieltag den ersten Dämpfer hinnehmen: In einem schwachen Spiel verlor man kurz vor Schluss gegen den bis dahin sieglosen Gegner aus Klütz und ließ dabei vor allem die offensive Durchschlagskraft komplett vermissen, sodass am sechsten Spieltag eine deutliche Leistungssteigerung gefordert war. Der Kontrahent hätte mit der SG Schlagsdorf/Mustin kaum ein schwerer sein können. Als Mitaufsteiger und Meister der vorangegangenen Kreisliga-Saison mit nur einem nicht gewonnenen Spiel und zwölf Punkten aus fünf Spielen war der Feind eindrucksvoll gestartet und hatte dabei auch etablierte Teams wie Brüel geschlagen. Das Momentum lag somit eher beim Gast, der an die Ranch aber keine guten Erinnerungen hatte. Das einzige Unentschieden der vorherigen Saison musste dieser in Neumühle hinnehmen, als dem Hexer Rusch ihm sein Cappi zu Matchwinner wurde. Auch Coach Baruschke hatte sich einiges vorgenommen und wollte die Rakete starten lassen. Während seiner umfangreichen und eindrucksvollen Taktikansprache hingen sogar die Eltern der C-Jugend an seinen Lippen, die im Vereinsheim eigentlich nur Hot Dogs verkaufen wollten. Im Alten Rom wäre er wohl Redner geworden und hätte Cicero Konkurrenz gemacht. Rusch kehrte nach zwei Spielen Abwesenheit ins Tor zurück und auch in der restlichen Startaufstellung gab es einige Änderungen. T. Sulkowski war das erste Mal in der Saison am Start und musste in der Abwehr nach dem Rechten sehen, daneben rückte Student Zengel wieder in die Innenverteidigung. Handwerker Ich-und-mein-Holst feierte ebenfalls sein Debüt in der ersten Elf auf Rechtsaußen, wofür Hoffmann wieder zentral spielte. Vorne begann erneut Entelmann, der sich im Sturmzentrum festzuspielen scheint. Auch an diesem Tag war die Ranch gut besucht, sage und schreibe 9.033 Zuschauer sollen es laut fußball.de gewesen sein. Egal, wie viele es wirklich waren, alle Heimfans sollten nicht enttäuscht werden. Schon früh gab es das erste Highlight in der Partie. Nach einem langen Ball über rechts segelte der Ball von außen in die Mitte. Der bemitleidenswerte Zech fälschte die Kugel laut Bratwurst-Bube Hampusch mit dem Allerwertesten ins eigene Tor ab, sodass der vermeintliche Underdog früh in Führung ging. In Minute Neun erhöhte Entelmann auf 2:0, als er nach Vorlage von Hoffmann den gegnerischen Torwart Sakrzewski überlupfte. Der NSV zeigte wie schon in den vorherigen Heimspielen eine sensationelle Effizienz und hatte den Gegner gut im Griff, der bedient war wie ein Stammkunde in Bierzelt. Nach 25 Minuten stellte Dampfwalze Bebernitz auf 3:0, als er die Kugel in den rechten Knick legte. Zuvor hatte er durch gutes Nachsetzen den Ball erobert. Der Boller-Wagen legte kurz darauf nach, als bei ihm der Zug mal wieder keine Bremse hatte und er das Spielgerät ins Netz drosch. Danach gab es plötzlich einen Schreckmoment, als Entelmann sich das Knie verdrehte und mit Schmerzen bis zur Halbzeit durchspielen musste. Er und Boller vergaben weitere Chancen auf das fünfte Tor. Nach einer schnell ausgeführten Ecke und Flanke von Hoffmann knipste der angeschlagene Entelmann erneut, als er am langen Pfosten sein 99 Stellungsspiel bewies und einschob. Wenig später nach dem 5:0 war dann auch Halbzeit, Schiedsrichter Hintze gewährte beiden Teams eine Verschnaufspause von diesem wilden Ritt. Der Neumühler Angriff wirkte völlig losgelöst, während man sich hinten auf Rusch verlassen konnte. Der Schlussmann bewies erneut, dass er eine einmalige Kreuzung aus Adler und Oktopus darstellt, die seinen Kasten mit starken Paraden sauberhielt. Damit beantwortete er auch die Frage der Mountain Crew, wie viele Hände der Oktopus habe. An diesem Tag reichten zwei Stück aus, um die Schlagsdorfer zur Verzweiflung zu bringen. Baruschke brachte in der Unterbrechung Koffein-Kevin für den kaputten Entelmann, der mit einem Doppelpack seinen Job mehr als erfüllt hatte. Auch der Gast wechselte, um noch irgendwas Positives aus dem Spiel mitzunehmen. Die Begegnung war zwar schon vorentschieden, trotzdem machten beide Teams weiter und drängten auf Tore. Nach 54 Minuten schlängelte sich Hoffmann durch die Schlagsdorfer Abwehr und legte den Ball zielgenau neben den Pfosten zum 6:0, womit auch die letzten Zweifler beruhigt wurden. Zengel trug sich fünf Zeigerumdrehungen später ebenfalls in die Torschützenliste ein, als er nach Ecke den Ball über die Linie brachte. Dass er dabei wie sonst bei den Frauen drei Anläufe brauchte, zeigte die Zielstrebigkeit und Willenskraft des NSV, der den Sieg danach entspannt nach Hause bringen konnte. Der Rest der Partie plätscherte dahin wie Bier aus dem Zapfhahn, zum Schluss wurde es aber nochmal wunderschön. Nachdem Ausbilder Schröder und L. Holst für Schöwe und Bebernitz eingewechselt wurden, hatte Kapitän Schrotti mal wieder das letzte Wort. Erneut fiel er wie ein Aasgeier über die ausgelaugten und toten Reste des Gegners her. Aus großer Distanz flog sein Sonntagsschuss am Samstag in einer perfekten Bogenlampe über den verdutzten Torwart hinweg in die Maschen. Mal wieder ein Traumtor des Spielführers, der sein bereits viertes Saisontor erzielte. Im Anschluss an diesen Schlussknall fiel kein weiteres Tor mehr, sodass Hintze schließlich beim Stand von 8:0 das Spiel beendete. Neumühle feierte das nächste irrwitzige Spektakel auf der heimischen Ranch und steht nach drei Heimspielen nun bei unvorstellbaren 27 Toren. Damit überholt man die SG Schlagsdorf/Mustin und steht auf Platz Vier der Tabelle, in der man mit 31 Buden die meisten der gesamten Liga erzielt hat. Mehrere Spieler zeigten sich bereits äußerst treffsicher, ganz oben in der internen Torjägerliste steht aktuell Entelmann mit sechs Treffern, sehr zum Ärger von Kumpel Boller, der einmal weniger erfolgreich war. Nach sechs Spieltagen hat man bereits gegen vier der fünf anderen Mannschaften aus der Spitzengruppe gespielt und drei davon besiegt, nur gegen derzeitigen Tabellenführer aus Selmsdorf musste man sich hier geschlagen geben. So haben die Schweriner nicht nur Oben gute Laune, sondern auch die perfekte Ausgangsbasis für das folgende Derby gegen Dynamo Schwerin II, was ein stimmungsvolles Aufeinandertreffen verspricht. Gut gelaunt ging es für die Spieler dann zum Schweriner Oktoberfest, selten war die Ranch nach einem Heimsieg so schnell so leer wie an diesem Tag. NSV spielte mit: Rusch - T. Sulkowski, Zengel, C. Schrott (C), Bebernitz (77. L. Holst) - Schöwe (68. Schröder) - R. Holst, Hoffmann, Dombrowski, Boller - Entelmann (46. Salchow)
24. September 2026
Aufsteiger gegen Absteiger. Ein solches, meist nur schwer einschätzbares Duell stand dem Neumühler SV am vierten Spieltag der Kreisoberliga SN-NWM bevor. Der Gast vom VFL Blau-Weiß Neukloster hatte bisher nur zwei Spiele absolviert und drei Punkte geholt. Nun rückte er mit voller Kapelle an und betrachtete leicht kritisch den Rasen der sagenumwobenen Ranch. Von Anfang an war bereits klar, dass es kein alltägliches Spiel werden sollte. Der Kreisfußballverband hatte im Vorherein angekündigt, das Spiel live auf YouTube zu übertragen und auch Linienrichter angesetzt. Alle Zuschauer, egal ob live oder im Netz, sollten ihre Entscheidung nicht bereuen, ihren Samstagnachmittag als Zuschauer dieses Spiels zu verbringen. Aber dazu später mehr. Wie schon im ersten Heimspiel und in der Vorwoche im Pokal fehlte Coach Baruschke und agierte erneut als Marionettenspieler, der seinen Coaching-Staff und sein Team aus der Ferne lenkt. Dafür stand heute ein recht kleiner Kader zur Verfügung, der durch Altherren-Spieler Bruhn verstärkt wurde. Dieser hatte am Vortag noch 70 Minuten für die Veteranen gespielt und sogar ein Tor zum 2:1-Sieg seiner Oldies beigetragen. Im Tor fehlte Hexer Rusch, sodass Ausbilder Schröder zwischen die Pfosten rückte. Auch davor gab es einige Änderungen in der Startelf: Haudegen Hahn rutschte nach zweiwöchiger Abwesenheit direkt hinten rein wie ein Handwerker nach Montage bei seiner Liebsten. Zur Spielvorbereitung hatte er am Vormittag den Intersport geplündert und sich dort zum Kunden des Monats aufgeschwungen, nun stand er mit nagelneuer Montur wieder in der Viererkette. Im Mittelfeld kehrte Abräumer Schöwe trotz nicht ganz auskurierter Verletzung zurück, um Zengel und Dombrowski das Wesen einer Holding Six zu präsentieren, nachdem sich beide erfolglos daran versucht hatten. Dampfwalze und Mannschaftskassen-BFF Bebernitz spielte dieses Mal zentral, um auf Außen Platz für Hoffmann zu machen, der mit dem Boller-Wagen die Flügelzange bildete. Vorne durfte sich Entelmann endlich auf seiner Wunschposition ausprobieren. Auch der Fansupport an diesem Tag war außergewöhnlich, 90 Zuschauer hatten sich auf der Ranch versammelt, um diesem denkwürdigen Spiel beizuwohnen. Tobias Blank hatte die Ehre, es als Schiedsrichter leiten zu dürfen und pfiff pünktlich an. Sofort wurde im Spiel ersichtlich, wie die Teams an das Spiel herangehen wollten. Neukloster stürmte ab Minute Eins in einem aggressiven Pressing nach vorne, während sich Neumühle auf konzentrierte Defensivarbeit und schnelles Umschalten fokussieren wollte. Die ersten zehn Minuten blieb es vor den Toren noch recht verhalten. Einmal klärte Hahn in höchster Not vor dem einschussbereiten Linksaußen, auf der anderen Seite schoss Bebernitz knapp links vorbei. Aus dem Spiel gelang beiden Mannschaften noch nicht wirklich etwas, sodass ein Standard herhalten musste. Diesen chippte Boller auf Kopfballmonster Zengel, der im Sechzehner querlegte. VFL-Schlussmann Spill irrte auf der Suche nach Pilzen etwas planlos durch seinen Strafraum, sodass die Kugel über ihn hinweg zum blanken Entelmann flog, der nur noch einzuschieben brauchte. In einer ausgeglichenen Anfangsphase ging man somit früh in Führung, doch der Gast antwortete schnell. Nur drei Minuten später flog ein langer Ball zu Schlussmann Schröder. Anstatt ihn anzunehmen, wollte er seinen Kollegen seine angeblich noch vorhandenen Fußabllfähigkeiten zeigen und einen lässigen Chipball ins Mittelfeld spielen. Dieser wurde aber abgefangen und Krohn zog aus großer Distanz ab. Seinen platzierten Flachschuss konnte der Neumühler Aushilfskeeper trotz verzweifeltem, seitlich gehechteten Bauchklatscher a la Grap nicht mehr parieren und schon stand es 1:1 in einem Spiel, das langsam Fahrt aufnahm. Die Kontrahenten blieben ihrer Herangehensweise treu. Neukloster zeigte sich im Pressing irgendwo zwischen angriffslustig übergriffig, als Highlight sprang ein Spieler dem armen Bebernitz huckepack auf den Rücken. Blank fühlte sich anscheinend in nostalgische Kindertage zurückversetzt und pfiff nicht ab. Auch Zauberer Dombrowski steckte viele unfreiwillige Umarmungen und Triktottests ein, während Hahn deftig auf die Knochen bekam. Vermutlich waren seine Gegner neidisch auf seine neue Ausrüstung. Es gab nun viel Mittelfeldgeplänkel und wenig echte Highlights. Schröder parierte einen Freistoß in seinem Torwarteck, ein Gästespieler klärte für Tormann Spill, der einen langen Ball unterschätzt hatte und unter diesem durchlief wie ein trauriger Single zu Weihnachten unter einem Mistelzweig. Den nächsten echten Aufreger gab es in der 28. Minute, als Hoffmann eine scharf gedroschene Flanke von Boller aus kürzester Distanz über die Linie beförderte. Der Jubel ebbte schnell ab, als Blank von seinem Assistenten einen Hinweis bekam. Hoffmann hatte die Kugel wie einst Maradonna regelwidrig mit der Hand versenkt, nur bekam der vermeintliche Torschütze die gelbe Karte für sein Vergehen und (noch) keinen Legendenstatus. Sonst wiegte das Spielgeschehen gemächlich vor sich hin, bis es unmittelbar vor der Halbzeit nochmal spannend wurde: Zuerst bewies Boller erneut, wieso „Schärfe vor Genauigkeit“ sein Lebensmotto darstellt. Nach einem schönen Spielzug drehte er sich um seinen Gegner und knallte die Kugel in die Maschen. Seinem Viererpack aus der Vorwoche im Pokal ließ er damit sein viertes Tor in der Liga folgen. Doch wieder hatte der Gast die schnelle und in diesem Fall blitzartige Antwort parat. Handgestoppte acht Sekunden nach Wiederanpfiff lag die Kugel im Netz der Gastgeber. Dem Anstoß folgte ein langer Ball an den Strafraum, wo Schröder das Spielgerät mit dem Rücken zum Tor per Kopf in einer perfekten Bogenlampe an die Latte und dann hinter die Linie beförderte. Blank ging das alles ein bisschen zu schnell, zur Beruhigung der Gemüter verordnete er den Mannschaften erstmal 15 Minuten Verschnaufpause. In der Halbzeit zeigten sich Münchow und Schaar recht zufrieden mit dem bisherigen Spiel und prophezeiten einen Kräfteverschleiß beim Gegner ob dessen laufintensiven Spiels. Schaar zeigte sich sicher, dass man wenigstens ein Tor mehr schießen würde als die anderen. Er sollte in beiden Fällen Recht behalten. Der zweite Durchgang begann, wie er aufgehört hatte: Mit einer jubelnden Heimmannschaft. In der 49. Minute schoss Boller einen Freistoß bewusst schlecht, sodass Dombrowski den hüppelnden Ball noch vor der Grundlinie erwischen konnte. Seinen Lupfer vors Tor über Spill hinweg erwischte Entelmann per Kopf und er schob seinen Gegenspieler im Luftduell gleich mit in die Maschen. Erneut hatte sich der Mittelstürmer perfekt positioniert, sodass sein minimaler Hüpfer, unter den höchstens ein Löschblatt gepasst hätte, zum Torerfolg reichte. Fünf Minuten später schnürte der zentrale Stürmer sogar seinen Hattrick. Ein Befreiungsschlag von Schlussmann Schröder rutschte durch bis zum Angreifer, der erneut 99 Stellungsspiel bewies. Seinen Gegenspieler hielt er sich vom Leib wie eine lästige Fliege und schob dann lässig zum 4:2 ein. Danach wurde im beim Jubeln von Hahn dermaßen intensiv besprungen, dass seine Frau am Spielfeldrand grün vor Neid wurde, da er sie offenbar nicht mit der gleichen Leidenschaft beglückt wie seinen Teamkollegen. Jetzt ging es Schlag auf Schlag und auch der VFL mischt noch fleißig mit. Nach einem Ballverlust von Zengel folgte die Flanke von rechts, die der einlaufende Schröder gekonnt per Kopf verwertete, sein Namensvetter im Tor war jetzt chancenlos und so mancher fürchtete schon den großen Zusammenbruch beim Gastgeber. Doch an diesem Tag war alles anders. Die Trainer reagierten auf das erneute Gegentor mit der Hereinnahme von Bruhn für Bebernitz, ab sofort gab es eine Doppelsechs mit dem Rentnerduo Schöwe-Bruhn, vor dem Jungstar Dombrowski zaubern sollte. Der Joker fügte sich gleich gut ein und holte sich in seiner ersten Aktion Gelb für ein taktisches Foul ab, eine harte Entscheidung, wenn man sich Blanks bisherige recht lange Leine anschaute. Mit Bruhn wurde es nun deutlich ruhiger in der eigenen Hälfte, Neukloster schien ausgelaugt zu sein von ihrem hohen Aufwand in der ersten Hälfte. Dies brachte Räume für den NSV, die man gekonnt zu nutzen wusste. Zuerst fing Hoffmann einen Pass in der eigenen Hälfte ab und startete durch. Von Entelmann erhielt er den Ball zurück und überwand Spill in der 63. Minute zum 5:3. Sein in den letzten Spielen immer größer gewordener Knoten platzte damit endlich, die Erleichterung war ihm anzumerken. Und nur fünf Minuten danach gelang ihm sein nächstes Tor. Dombrowski setzte Spill in perfektem Einmann-Pressing unter Druck, wie es sonst nur Maschine Schulz konnte. Der unsauber gespielte Ball landete beim Flügelstürmer. Mit einer Finte schickte er den Schlussmann ins Kino und versenkte die Kugel anschließend zum 6:3. Die Partie kippte nun endgültig zugunsten der Schweriner und der erschöpfte Hahn verbrauchte den Großteil seiner nur noch geringen Kraft, um die Torschützen zum Jubeln zu empfangen. In dieser Phase klappte alles für die Landeshauptstädter, was sich beim nächsten Tor zeigte. Erneut setzte Dombrowski Spill unter Druck, der den Ball nicht früh genug wegbekam und ihn anschoss, sodass auf diese Weise nur einhundertzwanzig Sekunden nach dem letzten Gegentor das 7:3 fiel. Das Spiel war nun entschieden, sodass Pohl und Grap gefahrenlos eingewechselt werden konnten und Entelmann sowie Schöwe ersetzten. Grap hatte sich zuvor mittels Eckfahnenstretching aufgewärmt und lauerte auf seinen ersten Saisontreffer. Die Angereisten schwächten sich anschließend selber, als ein Spieler durch Ballwegschießen die gelb-rote Karte erhielt und frühzeitig duschen gehen musste. Einen kurzen Schock gab es später, als das meterhohe Kamerastativ umkippte und wiederaufgerichtet werden musste. Trotzdem hatten die Rancher noch nicht genug und wollten das Maximum herausholen. So ging es weiter mit Zengel, der nach einem seiner weltberühmten Offensivläufe wie einst Lucio auf 8:3 stellte. Danach war es Pohl, der wie auch bei den meisten Frauen zwei Anläufe brauchte, um erfolgreich zu sein. Elegant per Schienbeinroller erhöhte er in der 88. Minute auf 9:3. Den Schlusspunkt setzte dann Kapitän Schrotti mit dem Tor des Tages, das er sich bis zur Nachspielzeit aufhob. Aus großer Entfernung und halblinker Position kloppte er den Ball mit einer schönen Flugkurve in die lange Ecke, ähnlich wie beim letzten Heimspiel gegen Neuburg. Das 10:3 stellte den Vorsitzenden Schröder nun vor die Peinlichkeit, dass die digitale Anzeige nur einstellig ist und nicht mehr das korrekte Ergebnis anzeigen konnte. Blank half dem Neumühler Urgestein und beendete zügig danach die Partie, die ihren Platz in den Annalen einnehmen wird. Nach einer ausgeglichenen und chancenarmen Halbzeit drehten die Gastgeber in den zweiten 45 Minuten kräftig auf und sorgten für die meisten erzielten Tore in einem Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte. Endlich zeigte man wieder die Effizienz, die in den vergangenen Spielen gefehlt und sich gegen Selmsdorf gerächt hatte. Durch Saisonsieg Nummer Drei hüpft man in der Tabelle auf eben jenen Tabellenplatz. Getoppt wird man nur von Selmsdorf (10 Punkte) und den schadlosen Roggendorfern. Zusammen mit dem anderen Aufsteiger von der SG Schlagsdorf/Mustin (Platz 4) mischt man weiter fleißig die Liga auf, Holthusen komplettiert das Trio mit neun Punkten. Der NSV stellt mit phamosen 22 Saisontoren den besten Angriff der Liga und hat mehr Tore erzielt als die letzten fünf Teams zusammen. Zeitgleich hat man aber auch so viele Gegentore kassiert wie der Vorletzte aus Lübstorf, der nur einen Punkt aufzuweisen hat. Genauso viele hat auch der SV Klütz, zu dem die Neumühler als nächstes reisen, während Neukloster zuhause auf Lübstorf trifft. NSV spielte mit: B. Schröder – Hahn, Genke, Zengel, C. Schröder (C) – Bebernitz (60 Bruhn), Schöwe (81. Grap), Dombrowski – Hoffmann, Entelmann (73. Pohl), Boller

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