Riesenschritt im Aufstiegskampf – Neumühle schlägt Gostorf im Rennen um Platz Zwei
Riesenschritt im Aufstiegskampf – Neumühle schlägt Gostorf im Rennen um Platz Zwei

Alles war angerichtet für die vermeintlich entscheidende Begegnung der Saison 2025/26 der Kreisliga SN-NWM. Von Anfang an marschierte der Meister aus Mustin durch die Liga, sodass die echte Spannung im Treiben um den zweiten und Aufstiegsplatz lag. Nachdem in den letzten Wochen die ursprünglich fünf Bewerber nach und nach den Anschluss verloren, blieb nach dem Nichtantritt des Mecklenburger SV beim Meister in Schleswig-Holstein nur noch der Neumühler SV und der Gostorfer SV übrig. Beide Teams trennten nur zwei Punkte und am 19. Spieltag trafen sie nun aufeinander. Für die Gäste aus Schwerin bestand die Möglichkeit, mit einem Sieg auf fünf Punkte davonzuziehen und die Chancen auf den Aufstieg damit signifikant zu erhöhen. Der Gastgeber um Toptorjäger Jerome Brandt konnte mit einem Sieg wiederum auf Platz zwei springen und den Aufstieg in der eigenen Hand haben. Baruschke musste dafür jedoch auf mehrere Stammspieler verzichten, Kapitän Schrotti fehlte ebenso im Aufgebot wie Rechtsaußen R. Holst und die Sulkowski-Brüder in der Innenverteidigung und vorne.
Dafür hatten sich pünktlich zum Topspiel die Studenten der HdBA zurückgemeldet, sodass man den Kader äquivalent auffüllen konnte. Zwei davon schafften es gleich in die Startelf, Wende und Leipold besetzen die Position im Mittelsturm und auf der Zehn. Zengel und B-Schröder übernahmen die Innenverteidigung, Koffein-Kevin und Hoffmann stürmten über außen. Als dritter Wohnheimbewohner fand sich Felix Sperling auf der Bank. Abräumer Hahn freute sich über die neuen Mitspieler, hatte er sie Sperling und Leipold zuvor nur einmal beim Hinspiel gesehen, als der NSV in wahres Offensivfeuerwerk abfeuerte und auf der Ranch mit 8:2 über die Gostorfer hinwegfegte. Er selber war damals aufgrund einer Verletzung zum Zuschauen verdammt gewesen, heute konnte er seine Vaterplauze über den mit Löwenzahn und Gänseblümchen garnierten Rasen an der Gostofer Festwiese spazieren führen. Bei bestem Fußballwetter eröffnete der Unparteiische Danny Rohde die Partie, die aufgrund ihrer Wichtigkeit so manchem erfahrenen Spieler die Nervosität in die Beine trieb.
Das Spiel begann recht verhalten, beide Teams standen größtenteils sicher und konnte die gegnerische Verteidigung noch nicht knacken. Bebernitz packte einmal beherzt im Zweikampf zu und handelte sich eine frühe gelbe Kart ein, sonst bleib es ziemlich ruhig. So lieferten sich Hoffmann und Brandt am Anfang ein Duell darum, Freistöße aus guter Position möglichst schlecht zu schießen. Während der Versuch des Neumühlers flach an Mauer und Tor vorbeikullerte, drosch der Gostorfer das Leder mit immensen Außeneffet in einen anliegenden Garten und sicherte sich diesen kleinen, ungewollten Erfolg. Auch war es sein Team, das zuerst richtig gefährlich wurde, als einer der vielen baumlangen Spieler einen Freistoß per Kopf an den Pfosten von dem Rusch ihm seinen Kasten setzte. Glück für die Gäste, die daraufhin mit der Führung antworteten. Einen hohen Ball von Schöwe flankte Hoffmann von links direkt auf den langen Pfosten, wo sich Wende davongestohlen hatte wie nachts nach Schließzeit aus dem Wohnheim. Allein vor Schlussmann Seifert blieb der Mann, der eigentlich für die Spvgg Lohsa/Weißkolm in der sächsischen Kreisliga aufläuft und dort bereits achtmal traf, kalt wie das ausgeschenkte Fassbier und köpfte in Minute 24 das 1:0 für Neumühle. Dieser Treffer ging aufgrund des bisherigen Spielverlaufes auch in Ordnung, obwohl die richtigen Chancen gefehlt hatten.
Gostorf musste sich nach dem Gegentor erstmal schütteln und versuchte mit erhöhter Zweikampfsintensität zurück ins Spiel zu kommen. Gerade Linksverteidiger Soltwedel rieb sich gegen Koffein-Kevin in Zweikämpfen auf, während er zeitgleich versuchte, den Ball möglichst hoch in die am Spielfeld stehende Weide zu schießen. Beides gelang ihm jedoch mehrfach nur mittelmäßig. Mittelstürmer Dudek beschäftigte Zengel und B. Schröder mit seinem bulligen Körper, blieb aber harmlos. Die Gäste kontrollierten die Partie und konnte sich hinten auf Rusch verlassen, der gut mitspielte und dem freiem Gramkow die Kugel gerade noch von den Füßen wegschnappte. Aber auch auf dem Feld wehrte man sich und scheute nicht vor harten Zweikämpfen. Hier ging Abräumer Schöwe voran und senste an der Außenlinie seinen Gegenspieler weg, sah wie auch immer keine gelbte Karte, obwohl Rohde eine sehr kleinliche Linie hatte. Auf der anderen Seite verfehlte Wende einen Volleyschuss aus guter Position das Gehäuse deutlich, während es Hoffmann in der 37. Minute deutlich besser machte. Einen Schnippelball von rechts aus den Füßen Dombrowskis erreichte er gerade noch vor dem heranstürmenden Seifert und piekte ihn an ihm vorbei ins Netz. Großer Jubel breitete sich über jenes extrem wichtige Tor aus, doch Gostorf blieb gefährlich.
Kurz darauf stoppte Rusch einen Kopfball des Gegners kurz vor der Linie. Knapp vor der Halbzeit wurde es ging es nochmal heiß her. Erst wurde Wende von hinten gehörig umgeflext, konnte die Kugel aber noch vor für Dombrowski ablegen, der frei durch war. Ein Gostorfer grätschte dazwischen und spielte sowohl Ball als auch Gegner. Rohde hatte zuerst auf Vorteil entschieden, der seiner Meinung nach aber nach 2 Sekunden bereits abgelaufen war. Der Neumühler Spielmacher blieb verletzt liegen, als ihn wenig später ein langer Ball erreichte, sprang er plötzlich trotz meterweitem Abseits in bester Immobile-Manier wieder auf und versenkte die Kugel im Netz. Dadurch handelte er sich den ein oder anderen Kommentar der Gastgeber ein und brachte auch bei den Fans das Blut in Wallung. Rohde beendete dann die erste Halbzeit und klatschte mit einem Fan, den er aufgrund von Pöbeleien eigentlich des Geländes verwiesen hatte, brüderlich ab. Aller Ärger war anscheinend schnell verflogen.
In der Kabine hatte Baruschke nur lobende Worte für seine Mannschaft, die verdientermaßen mit 2:0 führten. Hinten stand man gut und konnte sich im Notfall auf Rusch verlassen, vorne nutzte man die großen Chancen effizient und hatte auch Jerome Brandt im Griff, dem noch nichts gelingen wollte. Er war wohl bereits angeschlagen ins Spiel gestartet und wurde einmal von seinem Kapitän rüde umgehauen, als dieser eigentlich Hoffmann oder den Ball treffen wollte. Hier brauchte er dann die Hilfe von Physio Lauri, die zur Gostofer Mutter Theresa wurde und mit dem Allheilmittel Eisspray anrückte. Später gab es dann noch einen gehörigen Check von Leipold gegen Brandt, der ihm erneut ordentlich zusetzte. Sein Fazit zur ersten Halbzeit lautete, dass man lange nicht so schlecht gespielt hätte, was man auch als ungewolltes Kompliment für den NSV sehen konnte.
Hahn sorgte in der kuscheligen Umkleide noch für einen Aufregern, als ihm seine Glasflasche aus zehn Zentimetern Höhe auf den Boden fiel und zersprang wie die Gostorfer Aufstiegshoffnungen. Schuldbewusst fegte er alles auf und wird in Zukunft wohl nicht mehr auf Soda-Stream Flaschen aus Glas vertrauen. Ohne Wechsel begannen dann die zweiten 45 Minuten.
Die Gastgeber versuchten es direkt mit einer Anstoßtaktik. Sechs Spieler lauerten an der Mittellinie und wollten diagonal in die gegnerische Hälfte einlaufen. Doch der Spieler, der den langen Ball schlagen sollte, wählte die PSG-Variante und drosch den Ball in Richtung Auslinie anstatt zum Strafraum, womit die Sache ungefährlich endete. Aus dem Nichts entschied Rohde auf Elfmeter, als Soltwedel im Strafraum zu Boden ging, nachdem er Hahn bei dessen Klärung des Balles umgerannt hatte. Laut des Schiedsrichters hatte Salchow ihn wohl in seinen Mitspieler hineingeschubst. Eine sehr strittige Entscheidung, hatte Koffein-Kevin doch die Hände eher an seinem Körper und der Heimspieler Hahn eher gefoult. Auf jeden Fall drückte er Hahn irgendeinen spitzen Knochen in dessen mickrigen Restbizeps und konnte sich glücklich schätzen, einen Pfiff bekommen zu haben. Brandt war es egal, mit seiner ersten richtigen Aktion im Spiel schoss er den Elfer in die Tormitte, womit er in Minute 50 den Anschluss aus dem Nichts markierte.
Wer jetzt mit einem beginnenden Gostorfer Sturmlauf gerechnet hatte, lag falsch. Neumühle war um eine schnelle Antwort bemüht und hatte dabei Unterstützung durch Rohde, den wohl das schlechte Gewissen plagte. Erst pfiff er ein faires Tackling ab und gewährte einen Freistoß aus guter Position. Hundertachzig Sekunden nach dem Gegentreffer segelte eine der vielen Ecken der Landeshauptstädter in den Strafraum. Seifert hatte an diesem Tag so seine Probleme mit diesen Bällen und zeigte sich auch hier unsicher. Dampfwalze Bebernitz reagierte am schnellsten und stocherte den Ball aufs Tor, wo ein Verteidiger noch abfälschte, bevor ein anderer die Kugel wegdrosch. Rohde entschied sofort, dass das Spielgerät im vollen Umfang die Linie überquert hatte, sehr zum Ärger der Gastgeber und zur Belustigung von Leipold und Wende, die eher die Meinung des Konkurrenten teilten.
HeimtrainerWendland reagierte auf den erneuten Zwei-Tore-Rückstand mit mehreren Wechseln, um das verbesserungswürdige Offensivspiel seiner Truppe anzukurbeln. Dies klappte so halbwegs, immerhin nach einer Standardsituation wurde es gefährlich, als knapp am Tor vorbeigeköpf wurde.
Baruschke brachte in der 76. Minute Kampfschwein Lode für Salchow, der heute vor allem durch seinen unerschütterlichen Einsatz aufgefallen war. In der 81. Minute ergab sich für Wende die Riesengelegenheit zur Entscheidung, als er nach einem langen Ball von Rusch und folgendem Abwehrfehler frei auf Seifert zulief, aber an einer Glanztat des Schlussmanns scheiterte. Die Gastgeber witterten nochmal Hoffnung und konnten aus dem Nichts den erneuten Anschluss erzielen. Nach einer eigentlich ungefährlichen Aktion folgte der Steckball auf einen im Abseits stehenden Stürmer. Da dieser jedoch passiv blieb und ein anderer den Ball übernahm, konnte der Querpass auf den freien Brandt folgen, der sich an Hahn vorbeigemogelt hatte und aus wenigen Metern vollstreckte. Seine Qualität hatte er damit mal wieder eindrucksvoll nachgewiesen, mit seinem 35. Saisontor hat er mittlerweile die Hälfte der Treffer seiner Mannschaft erzielt und spannende letzte sieben Minuten eingeleitet. Jetzt wurde es nochmal richtig hitzig auf dem Feld, Gostorf versuchte nochmal aussichtsreich nach vorne zu kommen, doch lief sich wie so oft an der Abwehr um den heutigen Spielführer Zengel fest.
Der NSV nahm hingegen clever Zeit von der Uhr. Bei einem Einwurf war der Ball vorher im Seitenaus in einer Ketchuppfütze gelandet. Als Hahn sich das Spielgerät schnappte, griff er geradewegs in die beliebte Soße. Da er keinen Tankstellenfasan, Bauarbeiter-Banane oder Hartz-Vier/Bürgergeld-Lende zur Verfügung hatte, reklamierte er bei Rohde den beschmierten Ball. Der Unparteiische reagierte mit einem lässigen „hab dich nicht so“, nahm sich die Kugel und wischte sie ihm Gras ab. Währenddessen hatte sich Leipold aufs Gras gesetzt und klagte über eine angebliche Verletzung, die aber schnell wieder vergessen war. Mit der letzten Aktion wurde es nochmal brenzlig. Eine Flanke nahm Dudek fünf Meter vor Ruschs Tor an, dabei sprang ihm die Knitte wohl an den Arm. Rohde entschied also auf Handspiel, sehr zum Missfallen des Stürmers. Da ihm der Ball ohnehin weggerollt war, hatte der Pfiff von Rohde vermutlich keine weitreichenden Konsequenzen. Unmittelbar danach blies der Schiedsrichter ein letztes Mal in seine Pfeife und beendete damit das Spiel. Lauter Jubel brach beim NSV aus, Ernüchterung machte sich bei Gostorf breit.
Mit diesem Sieg von monumentaler Bedeutung geht der Neumühler SV einen riesigen Schritt in Richtung Wiederaufstieg. In einem fairen Spitzenspiel gab es nur wenig echte Chancen und nur zum Schluss nochmal etwas Spannung. Größtenteils kontrollierte man die Begegnung und der Gegner wirkte nicht unbedingt, als würde für ihn etwas auf dem Spiel stehen. Der Sieg ist folglich verdient, auch wenn man etwas Spielglück auf seiner Seite hatte. Torjäger Brandt blieb bis auf seine Tore blasser als die Haut eines Gamers und wurde unfreiwillig zum Beweis, dass Fußball eine Mannschaftssportart ist, denn drei verschiedene Torschützen der Schweriner sicherten den Sieg. Nach dem Spiel gab es erneut einen Aufreger in der Gästekabine, denn die Stundenten der HdBA sind entweder alle in S-Bahn-Stationen geboren oder haben nur automatische Türen im Wohnheim, denn bei ihren Ausflügen aus der Umkleide zum Bierstand ließen sie mehrfach die Tür sperrangelweit offen und präsentierten ganz Gostorf die unbekleideten Leiber ihrer Mitspieler und einen ausgepumpten Kadaver von Hahn, der sich nur noch mit Hilfe zahlreicher Dad-Geräusche fortbewegen konnte. Koffein-Kevin war hingegen innerhalb weniger Minuten bereits wieder in seine Pumperjeans geschlüpft, hier zeigt sich der Altersunterschied dann doch deutlich.
Der Vorsprung auf Platz Drei wächst für die Rancher auf fünf Punkte und es besteht für sie die Möglichkeit, bei einem Gostorfer Punktverlust am nächsten Spieltag gegen Bad Kleinen mit einem heimischen Derbysieg gegen Burgsee Verein Schwerin den zweiten Platz dingfest zu machen und wieder in die Kreisoberliga zurückzukehren. Sollte dies noch nicht gelingen, gibt es danach in den Spielen gegen die Kellerkinder aus Sieverhagen und Brüel weitere Matchbälle. Beide Teams liefern sich einen mittlerweile doch spannenden Dreikampf mit der SG Parum/Dümmer um den Klassenerhalt, zwei Teams müssen am Ende den Gang in die unterste Kreisklasse antreten.
NSV spielte mit: Rusch – Hahn, Zengel (C), B. Schröder, Bebernitz – Schöwe, Dombrowski – Salchow (76. Lode), Leipold, Hoffmann – Wende
Ebenfalls im Kader: Burghardt, L. Holst, Nittke, Sperling
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