Chancenwucher und Verletzungspech - Neumühle verliert erstes Saisonspiel gegen Selmsdorf

Nach dem erfolgreichen Saisonstart in der Kreisoberliga ging es für den zweimal siegreichen Aufsteiger aus Schwerin ins weit entfernte Selmsdorf, wo der ebenfalls schadlos gestartete FC wartete. Nach zwei Siegen gegen den bekannt starken Emporkömmling aus Schleswig-Holstein, der SG Schlagsdorf/Mustin, und der SG Dynamo Schwerin II reiste nun die nächste Mannschaft aus der Landeshauptstadt nach Westen. Auf der Fahrt dahin lernte Hampusch durch eindringliche Hinweise seiner Mitspieler den Unterschied zwischen Links und Rechts, den kurz darauf folgenden Vergleich der Geheimratsecken zwischen Lode, Maschler und Hahn musste er dann unfreiwillig beiwohnen.
Beide Teams wollten ihre Siegesserie fortsetzen und im „Spitzenspiel“ einen Warnschuss an die Liga abgegeben. Beim NSV hatte die Offensive zuletzt brilliert und mit 12 Toren hatte man mehr Treffer gelandet als so mancher Soldat in der Schussausbildung bei B. Schröder. Der Gastgeber hatte sich für das Rahmenprogramm mächtig ins Zeug gelegt, als Vorband trat die hauseigene B-Jugend gegen den FC Schönberg an und wurde mit 1:11 aus dem eigenen Stadion gefegt.
Ähnliches hatte die Truppe von Coach Baruschke vor. Für etwas mehr defensive Stabilität rückte R.Hahn auf die Sechs, hinten rechts verteidigte für ihn P. Sulkowski. Links hinten „freute“ sich Koffein-Kevin über sein Comeback in der Abwehr. Zengel bildete mit Kapitän Schrotti die Innenverteidigung, vor der Dombrowski und Entelmann zentral sowie Boller und Hoffmann auf Außen für die besonderen Momente sorgen sollten. Vorne feierte Ludwigs seine Rückkehr in die Startelf nach einer wahren Odyssee von Verletzungen. Sorgenfalten bereitete einem schon vor dem Anpfiff die Größe des Platzes, auf den das Feld von Groß Salitz zweimal passen würde. Vor 40 begeisterten Zuschauern eröffnete Schiedsrichter Wirth die Begegnung.
Nach anfänglichem vorsichtigen Abtasten wie bei schüchternen Frischverliebten nahm das Spiel schnell Fahrt auf. Die erste Chance verzeichnete Selmsdorf, aus guter Position flog die Kugel aber drüber. Danach begann die Leidenszeit von Flügelstürmer Hoffmann, der mehrere gute Abschlüsse verzeichnen konnte, diese aber nicht aufs Tor bekam. Da hatte das delikat zubereitete Sandwich als Snack vor dem Spiel wohl zu Zielwasser enthalten. Auf der Gegenseite zeigte Schlussmann Rusch eine beeindruckende Flugshow, als er einen Distanzschuss Richtung Winkel adlergleich aus der Luft fischte und über die Latte lenkte. So ging es hin und her, bis Selmsdorf etwas glücklich zur Führung kam.
In der 26. Minute parierte Rusch einen Distanzschuss, den Abpraller wollte keiner so richtig klären. Der durchlaufende Langbehn kam zum Nachschuss, den der Schweriner Schlussmann ebenfalls mit der Patsche erwischte, aber nicht verhindern konnte, dass die Kugel Richtung Torlinie hoppelte. Ein weiterer Angreifer ging aus dem Abseits heraus zum Ball, brach seinen Laufweg aber schneller ab als so mancher sein Studium und wollte der Kugel entspannt beim Überqueren der Torlinie zusehen. Jedoch unterbrach der Pfiff von Wirth das Geschehen, bevor das Tor offiziell erzielt war. Der Unparteiische entschuldigte sich sofort für seinen Wahrnehmungsfehler und gab den Treffer trotzdem. Da er seine Pfeife aber betätigte, bevor die Kugel über die Linie gerollt war, hätte er diesen rein regeltechnisch nicht mehr geben dürfen. So wurde aus einer eigentlich klaren Angelegenheit durch diesen unglücklichen Eingriff des Spielleiters eine strittige Entscheidung. So oder so lag der NSV nun hinten.
Neumühle antwortete mit verstärktem Drängen auf den Ausgleich, blieb hinten aber anfällig. Hoffmann vergab zwei weitere Großchancen, bei seiner besten irritierte ihn Spielmacher Entelmann durch einen etwas verunglückten Hackentrick. So schloss er zu zentral ab. Kurz vor der Halbzeit fehlte Ludwigs nur eine Spachtelspitze, um einen Querpass von Boller ins leere Tor zu versenken. Leider rutschte ihm aber der Ball unter dem Schuh durch und so blieb auch diese Gelegenheit ungenutzt. Da Selmsdorf mit seinen Chancen ebenfalls verschwenderisch umging, ging es mit einem etwas unglücklichem 0:1-Rückstand in die Halbzeit.
In dieser zeigte sich Baruschke nicht unzufrieden mit der Leistung seines Teams. Bis auf die fehlende Chancenverwertung war man mit dem Gegner auf Augenhöhe. So war im zweiten Durchgang noch alles möglich, um das Minimalziel Punktgewinn noch zu erzielen.
Dafür brachte er sieben Minuten nach Wiederanpfiff Hampusch für Entelmann, um den schleppend anlaufendem Offensivspiel neuen Schwung zu verleihen. Jedoch konnte dieser dafür nicht lange sorgen. In der 61. Minute prallt er eigentlich recht harmlos wirkend mit einem Gegenspieler zusammen, ging aber anschließend sofort vom Feld mit dem Wissen, sich schwerer verletzt zu haben. Für ihn kam der etwas perplexe Nittke in die Partie und ging auf die Position rechts hinten, Sulkowski durfte sich wieder im Angriff versuchen. Während die Gastgeber die Führung verwalteten und sich auf die Verteidigung konzentrierten, musste der NSV der Größe des Platzes Tribut zollen. Die Angriffe blieben meist ungefährlich und wurden unsauber ausgespielt. Auf der Gegenseite rückte Rusch immer mehr in den Vordergrund. Zuerst hielt er noch den knappen Rückstand fest, kurz darauf wurde er jedoch ein zweites Mal an diesem Tag überwunden, als Schunke von rechts in die Mitte zog und ihn in der 66. Minute schlitzohrig im kurzen Eck überwand.
Nach diesen zwei Rückschlägen innerhalb kurzer Zeit fiel es den Schweriner schwer, sich wirklich gegen die drohende Niederlage aufzubäumen. Fehlendes Engagement konnte man ihnen nicht vorwerfen, es wollte einfach nichts bei rumkommen. Ständig kam der Pass den Ticken zu ungenau, man verlor den entscheidenden Zweikampf oder zielte zu unpräzise. Die beste Chance vergab Boller, als er freistehend zu zentral abschloss und Maschler von hinten bedrängt wie beim CSD den Nachschuss nicht im Tor versenken konnte. Jener war kurz zuvor mit Sylt-Urlauber Grap für Ludwigs und Sulkowski in die Partie gekommen. Rusch hatte in der Zwischenzeit alle Arme voll zu tun, eine höhere Niederlage zu verhindern und wehrte sich erfolgreich dagegen. Nur Stern überwand den Schweriner Trainingsweltmeister kurz vor Schluss zur endgültigen Entscheidung zum 3:0. Mit seinem letzten Pfiff besiegelte Wirth anschließend das Ergebnis.
Nach einer offenen ersten Hälfte verliert man damit erstmals in der noch jungen Spielzeit. Obwohl einem zum Schluss hin die Puste ausging und die Niederlage an sich nicht unverdient kommt, muss man mit den vergebenen Großchancen der ersten Halbzeit hadern, die dem Spiel einen anderen Verlauf hätten bringen können. Während Neuburg in der Vorwoche die Lücken in der Verteidigung nicht nutzen konnte, gelang dies dem Heimteam umso öfter. So konnte man sich abschließend bei Rusch bedanken, dass man nicht noch mehr Gegentore kassierte. Selmsdorf hingegen machte es nach der Führung clever und stabilisierte die anfänglich wackelige Defensive. Nichtsdestotrotz konnten die Gäste zeigen, dass man mit einem Top-5-Kandidat der Liga mithalten kann. Am schlimmsten an diesem Tag bleibt die schwere Verletzung von Hampusch, dem wir an dieser Stelle gute Besserung wünschen wollen. Der Gegner klettert somit den zweiten Tabellenplatz, der NSV liegt nun auf Platz Vier hinter dem neuen Tabellenführer aus Roggendorf (9 Punkte), Selmsdorf und Brüel (7 Punkte). Als Nächstes geht es für beide Teams in der ersten Hauptrunde des Kreispokals weiter. Der heutige Gastgeber reist nach Krembz zum legendär kleinen Platz des Groß Salitzer FC‘s, Neumühle wird von der SG Dynamo Wismar empfangen. Danach geht es für die Schweriner in der Liga weiter gegen den Absteiger vom VFL Blau-Weiß Neukloster, der aus zwei Spielen bisher drei Punkte holen konnte.
NSV spielte mit: Rusch - P. Sulkowski (77. Grap), Zengel, C. Schröder (C), Salchow - Hahn, Dombrowski - Hoffmann, Entelmann (52. Hampusch/61. Nittke), Boller - Ludwigs (77. Maschler)
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