Zauberer Dombrowski entscheidet Derby - NSV gewinnt Stadtduell kurz vor Schluss

Mit dem 8:0-Heimsieg gegen die SG Schlagsdorf/Mustin hatte der Neumühler SV frischen Wind für das Duell mit dem Lokalrivalen Dynamo Wismar II mitgenommen und hoffte auf eine Fortsetzung des bisher positiven Saisonverlaufs. Anhand der Tabelle war die Favoritenrolle schnell geklärt. Der Aufsteiger von der Ranch belegte mit 12 Punkten Platz Vier, während der Gastgeber bisher nur einmal gewinnen konnte und im Tabellenkeller festhing.
Coach Baruschke musste ordentlich die Rotationsmaschine anschmeißen, denn aus der letzten Startelf fehlten einige Spieler. Zeitgleich kehrten aber auch altbekannte Gesichter zurück auf den Spielbogen. Vor allem mit Geschwistern wurde wild gefeilscht. Hinten rechts ersetzte P. Sulkowski seinen jüngeren Brüder, der lädierte Lankow-Locals-Leader Lenny stand anstelle von Ich-und-mein-R. Holst im Kader. Außerdem hatte Abräumer Hahn frisch von den Magdeburger Wiesn und seelisch gereinigt durch Mickie Krause den Weg in die Wolf-Systeme-Arena gefunden. Nach erfolgreich ausgerichteten Festival war auch Genkel wieder am Start.
Besonders war die Partie auch für die beiden ehemaligen Spieler der Zweitvertretung des Verbandsligisten. Toptorjäger Entelmann, mittlerweile bereits so berühmt-berüchtigt wie Cat in the hat in der Schweriner Umgebung, und Boller verbrachten die letzte Saison am falschen Ende der Stadt. Die zwei zeigten sich hochmotiviert und analysierten akribisch das Personal des Gegners, bei dem sich zur allgemeinen Beruhigung keiner aus der ersten Mannschaft zeigte. Interessant wurde es im Mittelfeld, wo Schöwe und Hahn die Doppelsechs bildeten. Dies führte zu dem einmaligen Umstand, dass Hahn beim Fünf-gegen-Fünf in Team Offensive spielte. 80 Zuschauer waren eingekehrt, um bei Sturm und teilweise Regen diesem Spiel beizuwohnen. Geleitet wurde das Spiel von Schiedsrichter Wirth, der den NSV bereits in Selmsdorf gepfiffen hatte.
Bereits von Anfang zeigte sich, dass es kein leichtes Spiel werden sollte. Mit dem kräftigen Gegenwind im Gesicht fiel es Neumühle schwer, den Ball produktiv zu bewegen. Dynamo stand tief und lauerte auf Konter über hohe Bälle, die durch die Böen überaus gefährlich wurden. Viel spielte sich im Mittelfeld ab. Nach einer Viertelstunde war es der Underdog, der als Erstes ins Netz traf. Im Strafraum bekam Gerhardt den Ball in rechter Position und zog ab. Der flache und platzierte Schuss zischte über den Rasen und schlug knapp hinter dem langen Pfosten ein, Hexer Rusch war chancenlos bei diesem Führungstreffer, der etwas aus dem Nichts kam.
Danach passierte lange Zeit kaum noch etwas Erwähnenswertes. Bis auf ein paar gelbe Karten musste Wirth nichts weiter notieren. Einen Schreckmoment gab es, als Dynamos Schugens mit Ausbilder Schröder kollidierte und behandelt werden musste. Kurz sah es nach einer schlimmeren Verletzung aus, am Ende konnte er immerhin das Feld auf eigenen Füßen verlassen und sein Team anfeuern. Für ihn kam Dudaev ins Spiel, der in der Saison mit einem Viererpack bereits auf sich aufmerksam gemacht hatte. Kurz vor der Halbzeit gab es einen Aufreger, als der Boller-Wagen gegen seinen Ex-Klub durch war und von Schlussmann Bley außerhalb des Strafraums umgesenst wurde. Da noch zwei Verteidiger in der Nähe waren, ging die folgende gelbe Karte in Ordnung, auch wenn die Neumühler Bank gerne einen Platzverweis gesehen hätte. Den anschließenden Freistoß drosch Boller wie gewohnt mit Mach Sechs ins Torwarteck, wo ihn Bley gekonnt um den Pfosten lenkte. Diese Aktion stellte den ersten echten Abschluss für die Angereisten dar, die sich mit dem großen Platz und dem aggressiven Auftreten der Gegner schwertaten. Viele Flugbälle endeten im Nichts. Im Spiel nach vorne stimmte die Positionierung nicht und defensiv war man anfälliger als ein Lehrer für Burnout. Somit ging es mit einem nicht unverdienten 0:1-Rückstand in die Pause.
Dort zeigte sich Baruschke trotz des bisher dürftigen Auftrittes seines Mannschaft noch optimistisch, das Spiel noch drehen zu können. Wechsel nahm er vorerst nicht vor und traute dem Team zu, mit Rückenwind und etwas anderer Taktik noch zu gewinnen.
Die zweiten 45 Minuten begannen mit neuem Elan des Neumühler SV. Durch den nun günstigen Rückenwind konnte der Kontrahent seine langen Bälle nicht mehr so effizient spielen, man kam schneller wieder in Ballbesitz und schnürte Dynamo ein. Doch immer noch tat man sich mit dem Erspielen echter Chancen schwer. Selbst als Bley mithalf und bei einem eigentlich ungefährlichen Kullerball in seinem Sechzehner pennte, kam er doch noch schnell genug an den Ball, um ihn vor dem bereits geiernden Boller zu klären.
Da erkannte Abräumer Hahn, dass sein Team frisches Blut benötigte. Seinen räudigen Kadaver schleppte er zur Bank und wurde ersetzt durch Ludwigs, der in Minute 64 das Feld betrat. Prompt schien die Mannschaft befreit von einer Last und erzielte den Ausgleich. Unmittelbar nach der Auswechslung gab es eine Ecke, die noch geklärt wurde. Den zweiten Anlauf schnippelte Dombrowski in die Box auf den freien Entelmann. Dieser verlängerte das Spielgerät gekonnt per seitlich hinplumpsenden Bauchklatscherkopfball, der Grap vor Neid erblassen ließ. Bley rutschte der Ball zwischen den Beinen durch, das Derby war wieder auf Werkseinstellungen zurückgesetzt.
Durch den Ausgleich beflügelt drückten die Gäste nun auf die Führung, aber das Offensivspiel lahmte auch nach der Hereinnahme von Allstar Grap immer noch. Auch mit Dombrowski als zentralem Spielgestalter hinter der Doppelspitze Ludwigs/Grap hinkte der Angriff wie ein gichtkranker Pirat mit Holzbein. Die beste Chance vergab Grap, als ihm nach einer Ecke und eines Griff ins Leere des sonst so sicheren Bleys der Ball unvorbereitet auf die Platte fiel. Sein zufälliger Kopfball wurde aber noch vor der Linie geklärt.
Auf der Gegenseite wurde Dynamo in der Schlussviertelstunde plötzlich offensiv aktiv und vergab zwei Riesenchancen auf die erneute Führung. Erst wurde Rusch überlupft und hatte Glück, dass der frei vor ihm stehende Stürmer das Tor verfehlte. Kurz darauf schaffte es doch tatsächlich ein Spieler, die Kugel alleine vor dem Neumühler Schlussmann so schlecht anzunehmen, dass sie in die Tentakeln des Adlers Rusch hüpften wie Entlein in die Hände von Disney-Prinzessinnen. Ansonsten wäre hier aus vier Metern Torentfernung wohl das 2:1 gefallen. Und so schlug in der 89. Minute die Stunde von Dombrowski. Aus großer Distanz zog er ab und scheuerte einen faszinierenden Flatterball auf das feindliche Gehäuse. Den wild in der Luft zappelnden Ball konnte Bley nicht abwehren, der NSV hatte das umkämpfte Derby gedreht. Zu diesem Moment spielte man seit fast zehn Minuten in einer kaum bemerkbaren Überzahl, nachdem ein Verteidiger des Heimteams längst überfällig des Feldes verwiesen wurde. Dynamo blies anschließend zur Schlussoffensive und erspielte sich mehrere aussichtsreiche Situationen, doch in den entscheidenden Momenten war immer ein Verteidigerbein eines gelb gekleideten Spielers dazwischen. Gerade Dudaev zeigte sich hier als permanenter Unruheherd, gegen den selbst das wilde Gestocher und Getrete von Kapitän Schrotti kaum half. Am Ende ging aber alles gut aus. So schaffte man es, den knappen Vorsprung mit viel Mühe über die Zeit zu bringen.
Am Ende des Tages steht ein hart umkämpfter Derbysieg für den Neumühler SV. Nach einer dürftigen ersten Halbzeit steigerte man sich im zweiten Durchgang und konnte dabei auf den Rückenwind als zwölften Mann zählen. Somit geht man in einem Spiel, das eigentlich ein klassisches Unentschieden sein müsste, als Gewinner vom Platz und schafft es, Siege auch zu erzwingen. Dies zeigt eine wahrnehmbare Steigerung im Vergleich zur Niederlage gegen Klütz, die vom Spielverlauf ähnlich war. In der Tabelle ist man neben dem Brüeler SV der große Gewinner des Spieltages, da ansonsten alle anderen Teams aus der oberen Tabellenhälfte gegen Mannschaften von unten verloren. Der NSV steht damit auf dem zweiten Platz mit 15 Punkten und nur einem weniger als der Spitzenreiter aus Selmsdorf. Dahinter lauern Roggendorf und Brüel mit 14 Punkten. Die SG Schlagsdorf/Mustin hat ein Spiel weniger und könnte mit einem Sieg mit den Schwerinern gleichziehen. Holthusen, Neukloster und Neuburg vervollständigen die restlichen Plätze mit zweistelliger Punktzahl. Es bleibt also nach wie vor eng im Kampf um die Aufstiegsplätze. Wichtig für Coach Baruschke wird aber sein, dass man jetzt schon ein großes Polster auf die Abstiegsränge hat, wo Dynamo Schwerin II nach wie vor klebt. Als Nächstes empfängt man auf der heimischen Ranch den bereits angesprochenen Brüeler SV von Platz Vier. Es steht also das nächste Spitzenspiel für den Aufsteiger an, besonders gefährlich bei den Gästen zeigte sich Pöhle mit 10 Toren. Damit führt er die Torjägerliste zusammen mit Railian vom VFL Blau-Weiß Neukloster an, dahinter steht Entelmann mit 7 Treffern. Es stehen also alle Zeichen auf das nächste Fußballfest.
NSV spielte mit: Rusch - P. Sulkowski, Genkel, B. Schröder, C. Schröder (C) - Hahn (64. Ludwigs), Schöwe - Bebernitz, Dombrowski, Boller - Entelmann (78. Grap)
Ebenfalls im Kader: L. Holst
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