Sturmwind und Chancenwucher – NSV müht sich ins Viertelfinale

Im Achtelfinale des Kreispokals SN-NWM wartete auf den Neumühler SV ein weiteres Team aus der Kreisliga. Der SC Ostseebad Boltenhagen hatte sich mit einem 6:1-Erfolg gegen SV Dassow 24 für die Runde der letzten 16 qualifiziert, womit die Schweriner nach dem 8:2 über Dynamo Wismar erneut als Favorit in das K.O.-Spiel gingen. In der Liga hatte man zuvor das Spitzenspiel gegen den Brüeler SV mit 4:5 verloren, wobei man auf Augenhöhe agierte und mehrfach an einem phänomenalen Schlussmann in Person von Görtemöller verzweifelte. Co-Trainer Schaar versuchte prompt, diesen abzuwerben, was der Man of the Match aber dankend ablehnte. Nach diesem Dämpfer kam der Wettbewerbswechsel recht gelegen, um für die zweite Hälfte der Hinrunde frischen Wind mitzunehmen. Wind war an diesem Pokalnachmittag auch ein gutes Stichwort, denn es blies ein raues Lüftchen quer über Kunstrasenplatz der Gastgeber aus Boltenhagen. Der Kader von Coach Baruschke verzeichnete einige Ausfälle, Comebacks und Aushilfen.
Oktopus Rusch hatte sich im Training verletzt und fehlte ebenso wie beispielsweise Abräumer Schöwe, der seinen dauerkaputten Fuß schonte, und Kapitän Schrotti. Zwischen die Pfosten rückte aber nicht wie erwartet Ausbilder Schröder oder das neu entdeckte Torwarttalent Jane Dombrowski, sondern es kam zu Comeback der Dekade, das noch mehr Wellen schlug als die Rückkehr von CM Punk oder Edge in den Wrestling-Ring. Burghardt, seines Zeichens ehemaliger Schlussmann des NSV im Vorruhestand mit zarten 20 Jahren, erbarmte sich dem Flehen und Betteln von Assistent Münchow und kehrte zurück ins Tor seines Lieblingsvereines. Über seinen Coup freute sich Münchow so sehr, dass er vor dem Spiel doch glatt Koffein-Kevin die Monster-Energy-Dose klaute und selbst konsumierte. In der Verteidigung musste das Diebstahl-Opfer auf seiner verschmähten Linksverteidiger-Position aushelfen, die Abwehr ergänzten die Raubeine B. Schröder, Genkel und Hahn. Student Zengel, der heute die Kapitänsbinde tragen durfte, sollte hinter Zauberer Dombrowski und Ludwigs im Mittelfeld abräumen. Im Angriff starteten wie gewohnt Entelmann und der Boller-Wagen, die von Hoffmann unterstützt wurden.
Auf der Bank feierte Lode nach überstandener Verletzung seine erste Kadernominierung. Neben ihm saßen Penny-Lenni und Veteran Schmidt, der eigentliche Spieler der Alten Herren half netterweise aus. Lässig hörte er sich in Unterhose und Badelatschen die Kabinenansprache (oder eher Duschansprache) des Trainergespanns an und farmte dabei massig Aura, um sich danach selbstbewusst die Nummer 10 zu schnappen. Trotz der widrigen Wetterbedingungen hatten sich immerhin 45 Zuschauer eingefunden, um dem Spiel beizuwohnen. Tietze-Böhm übernahm die Leitung der Begegnung, die als einziges Achtelfinale keine Linienrichter (oder wie Sportlehrer Lode sagen würde: Seiten-Richter außen) aufwies.
Bereits nach wenigen Sekunden zeigte sich, wie das Spiel laufen sollte. Linksaußen Boller tauchte unmittelbar nach dem Anpfiff in gefährlicher Position im Strafraum auf, sein Querpass wurde gerade noch geklärt. Der Neumühler SV drückte die Gastgeber tief in die eigene Hälfte, sodass sogar deren Starstürmer Fink zum Verteidigen gezwungen wurde. Mal wieder zeigten die Gäste aber große Probleme mit der Effizienz. Entelmann köpfte zweimal aus bester Position vorbei und schaffte es dabei nicht, die Kugel aus minimaler Distanz in leere Tor zu stupsen. DJane Dombrowski, erneut Treibfeder eines Teams, war überall zu finden und bereitete perfekt für Ludwigs vor, dessen platzierten Schuss aber vom stark reagierenden Schramek aus dem Eck gefischt wurde. Er hielt auch gekonnt gegen Entelmann, der ihn im kurzen Eck überwinden wollte. Trotz der vielen Chancen war das Offensivspiel des NSV recht behäbig und von Fehlern geprägt. Dennoch dominierte man den Gegner, der offensiv nur auf lange Bälle hoffte. Das Glatzen-Gespann Genkel/Schröder war jedoch stets zur Stelle, sodass hier keine echte Gefahr von Burghardt entstand. Nur einmal zischte ein Schuss ans Außennetz seines Gehäuses, ansonsten erlebte er einen recht ereignisarmen Tag. Boltenhagen versuchte, defensiv mit harter Zweikampfführung zurückzuschlagen und langte beherzt zu wie einst Jumbo Schreiner bei Galileo. Abschrecken ließ sich der NSV aber nicht und drückte stetig auf die Führung, noch aber ohne Erfolg. Häufig probierte man es mit Distanzschüssen, die aber mehr streuten als ein Hausmeister im Winter und daher keine echte Gefahr entwickelten. Somit ging es mit einem 0:0 in die Pause, das dem Heimteam bedeutend mehr zusagte als den Schwerinern.
Hier zeigte sich Baruschke, der sich beinahe selbst auf den Spielbogen geschrieben hätte, zuversichtlich, im zweiten Durchgang das Spiel zu entscheiden, zumal der Gegner nicht wirklich mithalten konnte. Daher schickte er die gleiche Elf wieder zurück aufs Feld.
Dieses Mal machten es die Gäste besser und konnten früh den ersten Treffer des Spiels erzielen. Nach einem schönen Spielzug über links spielte Salchow in die Mitte, wo der freie Boller-Wagen das Spielgerät irgendwie an Schramek vorbeieumelte. Das erlösende Tor, das etwas Ruhe in die Begegnung brachte, sollte lange das einzige bleiben. Zwar gab es erneut genug Möglichkeiten, aber man scheiterte wieder am gut aufgelegten Schramek, seiner Latte oder sich selbst. Zum Problem wurde nun auch der Wind, der viele Freistöße und Flanken direkt in die Arme des Keepers trieb. Boltenhagen blieb seiner Taktik treu, mauerte und schlug lange Bälle, hatte damit aber nach wie vor keinen Erfolg. Baruschke brachte in der 64. Minute mit Schmidt mehr Erfahrung für den heute glücklosen Entelmann. Der Joker bereicherte das Spiel mit seiner unnachahmlichen Ruhe und Übersicht, womit er einige gute Angriffe einleitete. Neun Minuten später kamen auch Lankow-Locals-Leader L. Holst und Sportlehrer Lode rein, sie ersetzten Ludwigs und Hahn, letzteres hatte unmittelbar zuvor noch ein eindrucksvolles Luftloch geschlagen. Salchow rückte nun rechts in die Kette, Holst verteidigte links. Lode ersetzte Ludwigs positionsgetreu. Beide machten ihre Sache souverän und wurden kurz vor Schluss Zeuge der Entscheidung, als Boller-Wagen erneut zündete. Eine Flanke von rechtes kontrollierte er in der Luft und drosch sie nicht unhaltbar auf Tor, doch Schramek flutschte sie durch die Finger und über die Linie. Danach wurde es etwas hitzig auf dem Platz, was sogar Djane Dombrowski und den sonst in sich ruhenden Tietze-Böhm aus der Reserve lockte. Nach einem kurzen Klärungsgespräch mit beiden Kapitänen ging es aber weiter. Danach passierte nichts mehr, womit der Kreisoberligist als Gewinner feststand.
In einer einseitigen Partie wurde der Neumühler SV somit seinem Favoritenstatus mehr als gerecht. Man dominierte den Kreisligisten und kam zu vielen Möglichkeiten, nutzte aber viel zu wenig davon und hatte wie zuletzt Probleme mit der Chancenverwertung, als man in der Liga gegen Brüel verlor. Dennoch erreichte man ungefährdet das Viertelfinale des Kreispokals. Der Gegner schlug sich defensiv wacker und hielt mit allem dagegen, konnte offensiv aber keinerlei Durchschlagskraft entwickeln. In der nächsten Runde trifft man nun auf den SFV Holthusen, der sich in einem echten Krimi in der 98. Minute in die Verlängerung rettete und dort das bessere Ende gegen den Mecklenburger SV hatte. Nach der 3:2-Heimniederlage zum Saisonauftakt hat der Kontrahent auch noch ein Hühnchen mit den Schwerinern zu rupfen, für die es zuvor in der Liga weitergeht. Nach der anspruchsvollen ersten Saisonhälfte, in der man außer Roggendorf alle Teams der oberen Tabellenhälfte abgearbeitet hat, stehen nun die schwierigen Spiele gegen Lübstorf, Brüsewitz und Wismar an.
In den weiteren Pokalspielen siegten die restlichen Kreisoberliga-Teams gegen meist unterklassige Teams. Lübstorf und Neuburg sorgten jedoch in ihren ligainternen Duellen für Überraschungen, indem sie Neukloster und den Tabellenführer aus Selmsdorf rauswarfen. Ergänzt wird die Runde der letzten Acht durch Burgsee Verein Schwerin, der mit einem starken Kader und als souveräner Anführer der Kreisliga eventuell im Halbfinale auf den Neumühler SV warten würde, sofern er sich gegen den MSV Lübstorf durchsetzen kann. Auf der anderen Seite des Turnierbaums duellieren sich Brüel und die SG Schlagsdorf/Mustin sowie Neuburg und Dynamo Schwerin II, welche SV Schiffahrt und Hafen Wismar mit 7:5 besiegten.
NSV spielte mit: Burghardt – Hahn (73. L. Holst), Genkel, B. Schröder, Salchow – Ludwigs (73. Lode), Zengel, Dombrowski – Hoffmann, Entelmann (64. Schmidt), Boller
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