Erst Schützenfest, dann Oktoberfest - Ranch-Wahnsinn auch im dritten Heimspiel

Nachdem bisher so erfolgreichen Saisonstart in die Kreisoberliga SN-NWM musste der Neumühler SV am fünften Spieltag den ersten Dämpfer hinnehmen: In einem schwachen Spiel verlor man kurz vor Schluss gegen den bis dahin sieglosen Gegner aus Klütz und ließ dabei vor allem die offensive Durchschlagskraft komplett vermissen, sodass am sechsten Spieltag eine deutliche Leistungssteigerung gefordert war. Der Kontrahent hätte mit der SG Schlagsdorf/Mustin kaum ein schwerer sein können. Als Mitaufsteiger und Meister der vorangegangenen Kreisliga-Saison mit nur einem nicht gewonnenen Spiel und zwölf Punkten aus fünf Spielen war der Feind eindrucksvoll gestartet und hatte dabei auch etablierte Teams wie Brüel geschlagen. Das Momentum lag somit eher beim Gast, der an die Ranch aber keine guten Erinnerungen hatte. Das einzige Unentschieden der vorherigen Saison musste dieser in Neumühle hinnehmen, als dem Hexer Rusch ihm sein Cappi zu Matchwinner wurde.
Auch Coach Baruschke hatte sich einiges vorgenommen und wollte die Rakete starten lassen. Während seiner umfangreichen und eindrucksvollen Taktikansprache hingen sogar die Eltern der C-Jugend an seinen Lippen, die im Vereinsheim eigentlich nur Hot Dogs verkaufen wollten. Im Alten Rom wäre er wohl Redner geworden und hätte Cicero Konkurrenz gemacht. Rusch kehrte nach zwei Spielen Abwesenheit ins Tor zurück und auch in der restlichen Startaufstellung gab es einige Änderungen. T. Sulkowski war das erste Mal in der Saison am Start und musste in der Abwehr nach dem Rechten sehen, daneben rückte Student Zengel wieder in die Innenverteidigung. Handwerker Ich-und-mein-Holst feierte ebenfalls sein Debüt in der ersten Elf auf Rechtsaußen, wofür Hoffmann wieder zentral spielte. Vorne begann erneut Entelmann, der sich im Sturmzentrum festzuspielen scheint. Auch an diesem Tag war die Ranch gut besucht, sage und schreibe 9.033 Zuschauer sollen es laut fußball.de gewesen sein. Egal, wie viele es wirklich waren, alle Heimfans sollten nicht enttäuscht werden.
Schon früh gab es das erste Highlight in der Partie. Nach einem langen Ball über rechts segelte der Ball von außen in die Mitte. Der bemitleidenswerte Zech fälschte die Kugel laut Bratwurst-Bube Hampusch mit dem Allerwertesten ins eigene Tor ab, sodass der vermeintliche Underdog früh in Führung ging. In Minute Neun erhöhte Entelmann auf 2:0, als er nach Vorlage von Hoffmann den gegnerischen Torwart Sakrzewski überlupfte. Der NSV zeigte wie schon in den vorherigen Heimspielen eine sensationelle Effizienz und hatte den Gegner gut im Griff, der bedient war wie ein Stammkunde in Bierzelt.
Nach 25 Minuten stellte Dampfwalze Bebernitz auf 3:0, als er die Kugel in den rechten Knick legte. Zuvor hatte er durch gutes Nachsetzen den Ball erobert. Der Boller-Wagen legte kurz darauf nach, als bei ihm der Zug mal wieder keine Bremse hatte und er das Spielgerät ins Netz drosch. Danach gab es plötzlich einen Schreckmoment, als Entelmann sich das Knie verdrehte und mit Schmerzen bis zur Halbzeit durchspielen musste. Er und Boller vergaben weitere Chancen auf das fünfte Tor. Nach einer schnell ausgeführten Ecke und Flanke von Hoffmann knipste der angeschlagene Entelmann erneut, als er am langen Pfosten sein 99 Stellungsspiel bewies und einschob. Wenig später nach dem 5:0 war dann auch Halbzeit, Schiedsrichter Hintze gewährte beiden Teams eine Verschnaufspause von diesem wilden Ritt.
Der Neumühler Angriff wirkte völlig losgelöst, während man sich hinten auf Rusch verlassen konnte. Der Schlussmann bewies erneut, dass er eine einmalige Kreuzung aus Adler und Oktopus darstellt, die seinen Kasten mit starken Paraden sauberhielt. Damit beantwortete er auch die Frage der Mountain Crew, wie viele Hände der Oktopus habe. An diesem Tag reichten zwei Stück aus, um die Schlagsdorfer zur Verzweiflung zu bringen.
Baruschke brachte in der Unterbrechung Koffein-Kevin für den kaputten Entelmann, der mit einem Doppelpack seinen Job mehr als erfüllt hatte. Auch der Gast wechselte, um noch irgendwas Positives aus dem Spiel mitzunehmen.
Die Begegnung war zwar schon vorentschieden, trotzdem machten beide Teams weiter und drängten auf Tore. Nach 54 Minuten schlängelte sich Hoffmann durch die Schlagsdorfer Abwehr und legte den Ball zielgenau neben den Pfosten zum 6:0, womit auch die letzten Zweifler beruhigt wurden. Zengel trug sich fünf Zeigerumdrehungen später ebenfalls in die Torschützenliste ein, als er nach Ecke den Ball über die Linie brachte. Dass er dabei wie sonst bei den Frauen drei Anläufe brauchte, zeigte die Zielstrebigkeit und Willenskraft des NSV, der den Sieg danach entspannt nach Hause bringen konnte. Der Rest der Partie plätscherte dahin wie Bier aus dem Zapfhahn, zum Schluss wurde es aber nochmal wunderschön. Nachdem Ausbilder Schröder und L. Holst für Schöwe und Bebernitz eingewechselt wurden, hatte Kapitän Schrotti mal wieder das letzte Wort.
Erneut fiel er wie ein Aasgeier über die ausgelaugten und toten Reste des Gegners her. Aus großer Distanz flog sein Sonntagsschuss am Samstag in einer perfekten Bogenlampe über den verdutzten Torwart hinweg in die Maschen. Mal wieder ein Traumtor des Spielführers, der sein bereits viertes Saisontor erzielte.
Im Anschluss an diesen Schlussknall fiel kein weiteres Tor mehr, sodass Hintze schließlich beim Stand von 8:0 das Spiel beendete. Neumühle feierte das nächste irrwitzige Spektakel auf der heimischen Ranch und steht nach drei Heimspielen nun bei unvorstellbaren 27 Toren. Damit überholt man die SG Schlagsdorf/Mustin und steht auf Platz Vier der Tabelle, in der man mit 31 Buden die meisten der gesamten Liga erzielt hat. Mehrere Spieler zeigten sich bereits äußerst treffsicher, ganz oben in der internen Torjägerliste steht aktuell Entelmann mit sechs Treffern, sehr zum Ärger von Kumpel Boller, der einmal weniger erfolgreich war. Nach sechs Spieltagen hat man bereits gegen vier der fünf anderen Mannschaften aus der Spitzengruppe gespielt und drei davon besiegt, nur gegen derzeitigen Tabellenführer aus Selmsdorf musste man sich hier geschlagen geben. So haben die Schweriner nicht nur Oben gute Laune, sondern auch die perfekte Ausgangsbasis für das folgende Derby gegen Dynamo Schwerin II, was ein stimmungsvolles Aufeinandertreffen verspricht. Gut gelaunt ging es für die Spieler dann zum Schweriner Oktoberfest, selten war die Ranch nach einem Heimsieg so schnell so leer wie an diesem Tag.
NSV spielte mit: Rusch - T. Sulkowski, Zengel, C. Schrott (C), Bebernitz (77. L. Holst) - Schöwe (68. Schröder) - R. Holst, Hoffmann, Dombrowski, Boller - Entelmann (46. Salchow)
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