Wiederaufstieg perfekt – NSV macht Rückkehr in die Kreisoberliga durch Kantersieg offiziell
Wiederaufstieg perfekt – NSV macht Rückkehr in die Kreisoberliga durch Kantersieg offiziell

Der 21. Spieltag der Kreisliga SN-NWM brachte für den Neumühler SV den Vorteil mit sich, ohne fremde Schützenhilfe den zweiten Tabellenplatz festzumachen und als zweiter Aufsteiger in die Kreisoberliga festzustehen. Nach der verpassten Chance am vorherigen Spieltag, als Lokalrivale Burgsee durch einen späten Ausgleich in Unterzahl die Feierlichkeiten verhinderte, ging es zum akut abstiegsbedrohten SV Sievershagen. Dieser befand sich auf dem ööölften Tabellenplatz mit zwölf Punkten, hatte alle davon aber im heimischen Stadion gesammelt und brauchte jeden Zähler, um zumindest noch Chancen auf den ominösen Relegationsplatz zu haben, dessen Bedeutung vermutlich nicht mal der Staffelleiter wirklich kennt.
Mal wieder bewies sich der große Kader für Baruschke als Prunkstück, den trotz der Abwesenheit mehrerer Stammspieler strotzte die Bank nur so vor geballter Manpower. Unter anderem kehrte Ikone Grap nach mehrmonatiger Abstinenz (würde es das mal mit Bier schaffen) zurück ins Team und auch Pohl zeigte mal wieder seinen sonnengebräunten Astralkörper. Nur hinten links gab es lange eine Baustelle und Salchow wurde schon nachts schweißgebadet wach in der Vorstellung, wieder dort verteidigen zu müssen. Aber Kapitän Schrotti ermöglichte sich doch noch irgendwie seine Anwesenheit und beruhigte damit die Nerven von Koffein-Kevin besser als drei Red Bull zum Frühstück. Leider gab es für die Wechsler keine Sitzgelegenheit, weswegen diese sich volksnah zeigten und hinter der Bande bei den Fans standen, während Baruschke durch seine minimalistische Coachingzone tigern musste. Bereits beim Warmmachen zeigte das wunderbare gepflegte Geläuf auch seine Schattenseiten, denn unter dem Rasen fühlte man schnell den knüppelharten Untergrund, der Gelenken alles abverlangte. Tief im Upahler Hinterland ließ man vor dem Anpfiff noch geduldig die sehr gründliche Kontrolle der Spielernummern durch Schiedsrichter Henkelmann über sich ergehen, die selbst altgediente Veteranen noch nicht erlebt hatten, bevor es vor 30 bierhungrigen Mäulern losging.
Schon mit dem Anpfiff wurde deutlich, wie das Spiel ablaufen sollte. Der Gastgeber zog sich tiefer zurück als so manches Körperteil beim Anbaden in der Ostsee und lauerte auf Konter, während die Schweriner versuchten, den tiefen Block durch Kombinationen zu durchbrechen. Hektik war an diesem Tag kein Bestandteil des Wortschatzes des Heimteams. Bei jedem Einwurf, Abstoß oder Freistoß ließ man unter großzügiger Unterstützung von Henkelmann etliche Sekunden verstreichen. Annäherungen und Chancen gab es in der ersten Halbzeit für den NSV genug, jedoch fehlte entweder die Genauigkeit oder ein gegnerisches Abwehrbein schob sich noch in die Schussbahn. Zuerst wurde der Koffein-Kevin geblockt, anschließend entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, doch wie schon im letzten Spiel schien der nahende Aufstieg das Zielwasser vergiftet zu haben. Die wenigen Konteransätze unterband man ohne große Mühen, biss sich aber an der gegnerischen Verteidigung die Zähne aus. Der Verteidigung mit T. Sulkwoski und Hahn war hinten langweilig, sodass sie weit in die feindliche Hälfte vorstießen, um ihre verzweifelnde Offensive beim Ansturm auf das Tor von Keeper Marahrens zu unterstützen. Jedoch zielten Hahn, Wende und T. Sulkwoski bei ihren Versuchen zu ungenau, Zengels gefährlichen Abschluss lenkte ein Verteidiger per spektakulärer Spakat-Grätschen-Pike gerade noch über die Latte.
Und plötzlich ergab sich aus dem Nichts die Riesenchance für das Kellerkind. Nach einem Freistoß tauchte der Kapitän in bester Position frei vor Schlussmann Burghardt auf und köpfte knapp drüber, während sich Wende mit unschuldiger Miene fragte, ob es sein Gegenspieler war. Nach diesem Schock hatte man aber in der 44. Minute die richtige Antwort parat. Hahn zog von rechts ungewohnt dynamisch nach innen und bediente Unschuldslamm Wende, der nochmal für P. Sulkwoski querlegte. Technisch anspruchsvoll schloss dieser aus der Drehung ab und traf mit Hilfe des Innenpfostens zur hochverdienten Gästeführung, auch wenn die Heimmannschaft lautstark abseits reklamierte. Doch die Proteste prallten an Henkelmann ab wie Vögel an einem Glasfenster. Kurz danach schickte der Unparteiische die Teams zum Verschnaufen in die Kabine.
In der Halbzeit sortierte Baruschke sein Team ordentlich durch, ohne dabei zu wechseln. Hahn rückte ins defensive Mittelfeld, Leipold von da aus auf die Zehn, Wende eine Position weiter ins Sturmzentrum und P. Sulkowsi nach rechts hinten. Eine Rochade, die man so wohl nur im Amateurfußball sieht und die jeden Schachgroßmeister vor Neid erblassen lässt.
Mit dieser neuen Ordnung zeigte sich der NSV im Angriff nun etwas zielstrebiger im Angriff und stürmte und drängte wie ein junger Goethe auf das 0:2, musste jedoch auf einmal einen brenzligen Moment überstehen. Im 2-gegen-1-Konter musste B-Schröder allein verteidigen und wurde überspielt, dem Stürmer versprang aber die Kugel und wurde daher glücklicherweise leichte Beute für Burghardt. Unmittelbar darauf reagierte man wie schon in der ersten Hälfte mit einem Tor. Wie zuletzt häufiger war es ein Standard, den Zengel gekonnt einköpfte. Der Neumühler Stahlschädel hatte in der 60. Minute mal wieder zugeschlagen, auch wenn ausnahmsweise Kapitän Schroder nicht die Vorlage gegeben hatte.
Baruschke wechselte kurz darauf und brachte Hampusch sowie Grap für Koffein-Kevin und P. Sulkowski. Gerade für den zurückkehrenden Verteidiger ein bedeutender Moment, er zeigte sich zugleich engagiert und auch sein weltberühmter seitwärts gehechteter Bauchklatschkopfball durfte in diesem Spiel nicht fehlen. Die Begegnung wurde in dieser Phase nun etwas hitziger, was auch an einigen wilden Pfiffen des Schiedsrichters lag. Nach einem klärenden Gespräch mit den Spielführern beruhigten sich die Nerven aber wieder (außer bei Flügelflitzer Hoffmann, der wutentbrannt in Minute 72 für Beachboy Pohl das Feld verließ). Hundertachtzig Sekunden später ging es auf dem Betonrasen wieder fußballerisch zur Sache. Hahn spielte einen Steilpass auf den mal wieder vorne auftauchenden C. Schröder, der aus spitzem Winkel aber Marahrens nicht überwinden konnte und anschließend zu Hahn zurücklegte. Der Defensivspieler zog selber ab und erwischte ungefähr neuneinhalb Gegner auf dem falschen Fuß. Frei nach dem Motto „Genauigkeit vor Schärfe“ hüppelte die Kugel an sämtlichen Abwehrbeinen vorbei ins kurze Eck. Damit zeigte sich der Abräumer so offensivstark wie nie zuvor und erzielte bereits seinen zweiten Saisontreffer, womit er im teaminternen Ranking nur noch einen hinter Salchow liegt und ihm bereits androhte, am letzten Spieltag mit ihm gleichzuziehen.
Nach dieser Vorentscheidung kamen nun ebenfalls Kampfschwein Lode und Sperling für Wende und Leipold. Die Schweriner zeigten sich befreit von einem drohenden Punktverlust und spielten nun freier auf, auch weil der Gegner etwas nachließ. In der 85. Minute trat nochmal die Kombination Schröder-Zengel in Erscheinung, als der Student nach einer mustergültigen Flanke seines Kapitäns per Kopf auf 0:4 erhöhte. Und nur zwei Minuten später eiferten zwei Joker ihnen nach. Pohl streichelte einen Ball wie sonst nur seine Frauen in den Strafraum, wo Hampusch per Kopf den fünften und letzten Treffer des Tages erzielte. Wenig später beendete Henkelmann das Spiel und somit herrschte beim Neumühler SV enlich die endgültige Gewissheit, nächste Saison wieder eine Liga höher in der Kreisoberliga zu spielen. Da der Verfolger aus Gostorf tags darauf gegen Burgsee Verein Schwerin verlor, wäre dies sogar bei einer Niederlage sicher gewesen. Als Tabellenzweiter hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter SG Schlagsdorf/Mustin, der man den einzigen Punktverlust der Saison zufügte, verdiente man sich diese Platzierung nach einem kleinen Fehlstart durch zwei lange Serien ohne Niederlage und kann nun acht Punkte Vorsprung auf den dritten vorweisen, der mittlerweile SV Bad Kleinen heißt. Nach Abpfiff herrschte beim Team statt Feierstimmung eher Erleichterung, es nun geschafft zu haben. Beim gemeinsamen Schauen des Champions-League-Finales zelebrierte man später das erreichte Ziel im Neumühler Vereinsheim. Am letzten Spieltag empfängt man nun abschließend auf der Ranch den Brüeler SV II, der aktuell auf Relegationsplatz 10 liegt. Danach geht es in die wohlverdiente Sommerpause, bevor die Vorbereitung zur neuen Saison startet.
NSV spielte mit: Burghardt – Hahn, B. Schröder, T. Sulkowski, C. Schröder (C) – Leipold (77 Sperling), Zengel – Salchow (67. Hampusch), Wende (77. Lode), Hoffmann (72. Pohl) – P. Sulkwoski (67. Grap)
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