Burgsee wird zum Spielverderber – NSV kassiert Ausgleich kurz vor Schluss
Burgsee wird zum Spielverderber – NSV kassiert Ausgleich kurz vor Schluss

Durch den Sieg im direkten Duell mit dem Gostorfer SV hatten sich die Schweriner in eine komfortable Ausgangslage gebracht. Mit einem Derbysieg gegen Burgsee Verein Schwerin und einem zeitgleichen Punkteverlust des Konkurrenten gegen Bad Kleinen konnte man den Aufstieg am 19. Spieltag festmachen und der SG Schlagsdorf/Mustin in die Kreisoberliga folgen. Der Stadtrivale zeigte sich bisher in der Rückrunde wechselhaft: Neben einer Niederlage und einem Unentschieden gegen die Kellerkinder Sievershagen und Parum/Dümmer standen auch drei Siege mit jeweils ööölf Toren in der Rückrundenstatistik sowie zwei weitere Kantersiege. Vor allem Kapitän Greschner war zuletzt zur Höchstform aufgelaufen und hatte zehn Tore in den letzten vier Partien erzielt. Man war also gewarnt vor der blutjungen Truppe, bei der sich so mancher Spieler im besten Fußballeralter auf Seiten von Neumühle auf einmal doch wie ein Rentner vorkam. In der Hinrunde hatte es ein knappes 3:2 für die Rancher gegeben, bei dem die Gegner vom Dreesch ihr fußballerisches Potenzial aber mehr als andeuteten und zu viele Chancen vergaben.
Für diese Begegnung hatte Coach Baruschke wieder einen großen Kader zur Verfügung. Die zuletzt fehlenden R. Holst, Käpt’n Schrotti und T. Sulkowski kehrten zurück in die Startelf, in der Wende fehlte. Dies löste einen wahren Dominoeffekt aus: Für ihn rückte HdBA-Kumpel Leipold in die Spitze, Dombrowski wieder auf die Zehn, Zengel ins Mittelfeld und B. Schröder sowie Koffein-Kevin wieder auf die Bank. Letztgenannter hatte bereits vor dem Spiel seinem Namen alle Ehren gemacht, mehrere Energy-Dosen sowie eine Packung Snooze verspeist und befand sich diesbezüglich in Höchstform.
Die Vorbereitung wurde jedoch durch einen aufkommenden Schauer gestört, der den Spielern die Gänsehaut auf den Körper trieb. Nachdem sich Physio Lauri bereits in Gostorf als Mutter Theresa gezeigt hatte, schwang sich Hahn als moderner St. Martin auf. Er teilte nicht nur seinen Unterzieher mit dem bibbernden Leipold, sondern überließ ihm die Thermokleidung für das Spiel sogar komplett und wurde damit zum Sinnbild für Nächstenliebe. Als man nun die Ranch zum Auflaufen betrat, hatte Gott persönlich als Reaktion auf diese selbstlose Geste die Regenwolken weggeschoben und die Sonne schien wieder vom Himmel.
Doch der göttliche Beistand sollte schnell verschwinden, nachdem Olaf Grundmann das Spiel eröffnet hatte. Allstar Schöwe musste in der 23. Minute angeschlagen ausgewechselt werden, die Wade der Nation hatte wieder zugeschlagen wie einst bei Michael Ballack vor dem Sommermärchen 2006. Koffein-Kevin kam für ihn und rückte auf Außen, Flügelflitzer Hoffi spielte ab sofort auf der Zehn und Zauberer Dombrowski im defensiven Mittelfeld.
Ansonsten war die erste halbe Stunde relativ langweilig. Der NSV hielt alles dicht wie ein Keuschheitsgürtel, war aber vorne in den entscheidenden Bällen zu ungenau. Schlussmann Zeisler zeigte sich ebenfalls früh auf der Höhe und parierte stark gegen Dombrowskis Distanzschuss und den Abstauber von Hoffmann, der ohnehin im Abseits stand. Die beste Chance vergab Rechtsverteidiger Hahn, der nach Balleroberung am gegnerischen Strafraum das Leder nur ans Lattenkreuz drosch, die Kugel hüpfte zuvor aber auch durch den unebenen Untergrund. Auf der anderen Seite reagierte Tentakelmann Rusch glänzend und verhinderte nach einem Freistoß und anschließendem Kopfball stark per Knieparade den Rückstand.
Also bediente sich auch Neumühle eines Standards, um die Führung zu erzielen. Einen Freistoß an der Mittellinie legte Sulkowski quer auf C. Schröder, der punktgenau auf die Omme von Zengel flankte. Dieser übersprang Gegenspieler und Torwart, um den Ball im hohen Bogen über die Linie zu verlängern. Das erste Tor dieses Derbys ging in Summe in Ordnung. Burgsee zeigte erneut sein großes fußballerisches Können, zerschellte in letzter Instanz aber immer wieder an der äußerst stabilen Defensive um Dampfwalze Bebernitz.
Durch den Vorsprung beflügelt gingen die Gastgeber weiter auf den zweiten Treffer. R. Holst erlief einen langen Ball und spitzelte ihn an Zeisler vorbei, wurde jedoch fälschlicherweise aufgrund eines angeblich gestreckten Beines zurückgepfiffen. Somit ging es mit einem knappen, aber verdienten 1:0 in die Halbzeit. Baruschke wirkte nicht unzufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft und wollte sich um das Ergebnis aus Gostorf bemühen, da dort das Spiel eine Stunde früher begonnen hatte.
Die zweite Hälfte sollte in ihrer Gesamtheit die erste eins zu eins widerspiegeln. Der NSV zeigte sich in der Verteidigung brutal stabil und ließ nichts zu, vorne kam man jedoch kaum zu gefährlichen Abschlüssen. Die beste Gelegenheit vergab Hoffmann, der nach gutem Mannschaftspressing freistehend im Sechzehner schießen konnte, aber an einer klasse Parade von Zeisler scheiterte. Auch Salchow hatte später eine aussichtsreiche Position, sein Schuss wurde aber gerade noch geblockt.
Zwischendurch verkündete der Trainer die Nachricht, auf die man gewartet hatte: Bad Kleinen hatte Schützenhilfe gegeben und Gostorf mit 3:1 geschlagen, weshalb man mit dem knappen Sieg nicht mehr von Platz zwei zu verdrängen wäre. Das Wissen um den nahenden Aufstieg schien die Spieler irgendwie zu lähmen, nach wie vor ging im Angriff wenig.
So verliefen ruhige 45 Minuten gemächlich dem Ende entgegen, in denen Burgsee noch eine rote Karte kassierte. Ein Abwehrspieler, der dem Neumühler Altherrenspieler Thomas Waack erstaunlich ähnlich sah, agierte im Zweikampf mit Leipold jedoch gar nicht so klug wie der altgediegene Veteran der Gastgeber. Gegen den frei durchstartenden Stürmer kam er im Zweikampf zu spät und holte ihn von den Beinen, weshalb er in der 71. Minute zurecht des Feldes verwiesen wurde. Er selbst monierte jedoch ein Stürmerfoul und schimpfte am Spielfeldrand wie ein Rohrspatz.
In der 79. Minute brachte Baruschke mit L. Holst und Kampfschwein Lode frische Beine für Bebernitz und R. Holst, acht Minuten später kamen ebenfalls der Schweriner Jack Sparrow, Felix Sperling, und Nittke in die Partie. Der Gast witterte in dieser Phase auf einmal Morgenluft und investierte mehr in einen potenziellen Ausgleich, während Neumühle schon länger das Ergebnis eher zu halten und zu verwalten schien.
Die Überzahl machte sich jedenfalls nicht bemerkbar auf dem Platz. Angeführt von Kapitän Greschner drängte Burgsee auf einmal in Richtung Heimtor. Erst köpfte man nach einer Ecke und fehlerhaftem Ausflug von Rusch nur knapp am Tor vorbei, dann ging es ganz schnell: Degner war auf einmal frei durch und nutzte den ersten Torschuss seines Teams in Hälfte zwei zum schmeichelhaften Ausgleich zwischen die Pfosten.
Die Gastgeber reagierten auf diesen Schock mit wütenden Angriffen in der Hoffnung, den Aufstieg doch noch durch einen Derbysieg auf der Ranch festzumachen. Erst scheiterte jedoch Zengel mit seinem Kopfball an der Latte, dann endete ein unübersichtliches Hau- und Stechgelage im Strafraum mit einer erneuten Parade von Zeisler und anschließend mit einem Stürmerfoul. Kurz darauf beendete Grundmann die Partie.
Somit herrscht beim NSV die enttäuschende Gewissheit, auf den offiziellen Aufstieg trotz bester Voraussetzungen noch warten zu müssen. Trotz Feldüberlegenheit, des Gostorfer Patzers und der roten Karte reichte es am Ende nicht für den Derbysieg. In einer größtenteils einseitigen Begegnung ging man durch den späten Ausgleich doch nicht als Sieger vom Platz und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, trotz zwanzigminütiger Überzahl keine frühzeitige Entscheidung im Derby herbeigeführt zu haben.
Immerhin hat man den Vorsprung auf den Dritten damit auf sechs Punkte ausgebaut und kann nur noch rechnerisch den zweiten Platz verlieren. Bei einer um 23 Treffer besseren Tordifferenz braucht es aus den letzten beiden Spielen gegen Sievershagen und Brüel II aus dem Tabellenkeller nur noch einen Punkt, um den direkten Wiederaufstieg dingfest zu machen.
Trotzdem herrschte eher Katerstimmung beim Neumühler SV ob des hergeschenkten Sieges, den man sich vor allem durch eine überzeugende Defensivleistung auch verdient hätte. Nach einem spielfreien Pfingstwochenende geht es dann am vorletzten Spieltag nach Sievershagen, um gegen den abstiegsbedrohten SV alles klarzumachen.
NSV spielte mit:
Rusch – Hahn (87. Sperling), T. Sulkowski, C. Schröder (C), Bebernitz (79. L. Holst) – Zengel, Schöwe (23. Salchow) – R. Holst (79. Lode), Dombrowski, Hoffmann (87. Nittke) – Leipold
Ebenfalls im Kader:
Burghardt, B. Schröder
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