Irrsinniges Torspektakel auf der Ranch – NSV feiert Schützenfest gegen Neukloster

Aufsteiger gegen Absteiger. Ein solches, meist nur schwer einschätzbares Duell stand dem Neumühler SV am vierten Spieltag der Kreisoberliga SN-NWM bevor. Der Gast vom VFL Blau-Weiß Neukloster hatte bisher nur zwei Spiele absolviert und drei Punkte geholt. Nun rückte er mit voller Kapelle an und betrachtete leicht kritisch den Rasen der sagenumwobenen Ranch. Von Anfang an war bereits klar, dass es kein alltägliches Spiel werden sollte. Der Kreisfußballverband hatte im Vorherein angekündigt, das Spiel live auf YouTube zu übertragen und auch Linienrichter angesetzt. Alle Zuschauer, egal ob live oder im Netz, sollten ihre Entscheidung nicht bereuen, ihren Samstagnachmittag als Zuschauer dieses Spiels zu verbringen. Aber dazu später mehr.
Wie schon im ersten Heimspiel und in der Vorwoche im Pokal fehlte Coach Baruschke und agierte erneut als Marionettenspieler, der seinen Coaching-Staff und sein Team aus der Ferne lenkt. Dafür stand heute ein recht kleiner Kader zur Verfügung, der durch Altherren-Spieler Bruhn verstärkt wurde. Dieser hatte am Vortag noch 70 Minuten für die Veteranen gespielt und sogar ein Tor zum 2:1-Sieg seiner Oldies beigetragen. Im Tor fehlte Hexer Rusch, sodass Ausbilder Schröder zwischen die Pfosten rückte. Auch davor gab es einige Änderungen in der Startelf: Haudegen Hahn rutschte nach zweiwöchiger Abwesenheit direkt hinten rein wie ein Handwerker nach Montage bei seiner Liebsten. Zur Spielvorbereitung hatte er am Vormittag den Intersport geplündert und sich dort zum Kunden des Monats aufgeschwungen, nun stand er mit nagelneuer Montur wieder in der Viererkette. Im Mittelfeld kehrte Abräumer Schöwe trotz nicht ganz auskurierter Verletzung zurück, um Zengel und Dombrowski das Wesen einer Holding Six zu präsentieren, nachdem sich beide erfolglos daran versucht hatten. Dampfwalze und Mannschaftskassen-BFF Bebernitz spielte dieses Mal zentral, um auf Außen Platz für Hoffmann zu machen, der mit dem Boller-Wagen die Flügelzange bildete. Vorne durfte sich Entelmann endlich auf seiner Wunschposition ausprobieren. Auch der Fansupport an diesem Tag war außergewöhnlich, 90 Zuschauer hatten sich auf der Ranch versammelt, um diesem denkwürdigen Spiel beizuwohnen. Tobias Blank hatte die Ehre, es als Schiedsrichter leiten zu dürfen und pfiff pünktlich an.
Sofort wurde im Spiel ersichtlich, wie die Teams an das Spiel herangehen wollten. Neukloster stürmte ab Minute Eins in einem aggressiven Pressing nach vorne, während sich Neumühle auf konzentrierte Defensivarbeit und schnelles Umschalten fokussieren wollte. Die ersten zehn Minuten blieb es vor den Toren noch recht verhalten. Einmal klärte Hahn in höchster Not vor dem einschussbereiten Linksaußen, auf der anderen Seite schoss Bebernitz knapp links vorbei. Aus dem Spiel gelang beiden Mannschaften noch nicht wirklich etwas, sodass ein Standard herhalten musste. Diesen chippte Boller auf Kopfballmonster Zengel, der im Sechzehner querlegte. VFL-Schlussmann Spill irrte auf der Suche nach Pilzen etwas planlos durch seinen Strafraum, sodass die Kugel über ihn hinweg zum blanken Entelmann flog, der nur noch einzuschieben brauchte. In einer ausgeglichenen Anfangsphase ging man somit früh in Führung, doch der Gast antwortete schnell. Nur drei Minuten später flog ein langer Ball zu Schlussmann Schröder. Anstatt ihn anzunehmen, wollte er seinen Kollegen seine angeblich noch vorhandenen Fußabllfähigkeiten zeigen und einen lässigen Chipball ins Mittelfeld spielen. Dieser wurde aber abgefangen und Krohn zog aus großer Distanz ab. Seinen platzierten Flachschuss konnte der Neumühler Aushilfskeeper trotz verzweifeltem, seitlich gehechteten Bauchklatscher a la Grap nicht mehr parieren und schon stand es 1:1 in einem Spiel, das langsam Fahrt aufnahm.
Die Kontrahenten blieben ihrer Herangehensweise treu. Neukloster zeigte sich im Pressing irgendwo zwischen angriffslustig übergriffig, als Highlight sprang ein Spieler dem armen Bebernitz huckepack auf den Rücken. Blank fühlte sich anscheinend in nostalgische Kindertage zurückversetzt und pfiff nicht ab. Auch Zauberer Dombrowski steckte viele unfreiwillige Umarmungen und Triktottests ein, während Hahn deftig auf die Knochen bekam. Vermutlich waren seine Gegner neidisch auf seine neue Ausrüstung. Es gab nun viel Mittelfeldgeplänkel und wenig echte Highlights. Schröder parierte einen Freistoß in seinem Torwarteck, ein Gästespieler klärte für Tormann Spill, der einen langen Ball unterschätzt hatte und unter diesem durchlief wie ein trauriger Single zu Weihnachten unter einem Mistelzweig.
Den nächsten echten Aufreger gab es in der 28. Minute, als Hoffmann eine scharf gedroschene Flanke von Boller aus kürzester Distanz über die Linie beförderte. Der Jubel ebbte schnell ab, als Blank von seinem Assistenten einen Hinweis bekam. Hoffmann hatte die Kugel wie einst Maradonna regelwidrig mit der Hand versenkt, nur bekam der vermeintliche Torschütze die gelbe Karte für sein Vergehen und (noch) keinen Legendenstatus. Sonst wiegte das Spielgeschehen gemächlich vor sich hin, bis es unmittelbar vor der Halbzeit nochmal spannend wurde: Zuerst bewies Boller erneut, wieso „Schärfe vor Genauigkeit“ sein Lebensmotto darstellt. Nach einem schönen Spielzug drehte er sich um seinen Gegner und knallte die Kugel in die Maschen. Seinem Viererpack aus der Vorwoche im Pokal ließ er damit sein viertes Tor in der Liga folgen. Doch wieder hatte der Gast die schnelle und in diesem Fall blitzartige Antwort parat. Handgestoppte acht Sekunden nach Wiederanpfiff lag die Kugel im Netz der Gastgeber. Dem Anstoß folgte ein langer Ball an den Strafraum, wo Schröder das Spielgerät mit dem Rücken zum Tor per Kopf in einer perfekten Bogenlampe an die Latte und dann hinter die Linie beförderte. Blank ging das alles ein bisschen zu schnell, zur Beruhigung der Gemüter verordnete er den Mannschaften erstmal 15 Minuten Verschnaufpause.
In der Halbzeit zeigten sich Münchow und Schaar recht zufrieden mit dem bisherigen Spiel und prophezeiten einen Kräfteverschleiß beim Gegner ob dessen laufintensiven Spiels. Schaar zeigte sich sicher, dass man wenigstens ein Tor mehr schießen würde als die anderen. Er sollte in beiden Fällen Recht behalten.
Der zweite Durchgang begann, wie er aufgehört hatte: Mit einer jubelnden Heimmannschaft. In der 49. Minute schoss Boller einen Freistoß bewusst schlecht, sodass Dombrowski den hüppelnden Ball noch vor der Grundlinie erwischen konnte. Seinen Lupfer vors Tor über Spill hinweg erwischte Entelmann per Kopf und er schob seinen Gegenspieler im Luftduell gleich mit in die Maschen. Erneut hatte sich der Mittelstürmer perfekt positioniert, sodass sein minimaler Hüpfer, unter den höchstens ein Löschblatt gepasst hätte, zum Torerfolg reichte. Fünf Minuten später schnürte der zentrale Stürmer sogar seinen Hattrick. Ein Befreiungsschlag von Schlussmann Schröder rutschte durch bis zum Angreifer, der erneut 99 Stellungsspiel bewies. Seinen Gegenspieler hielt er sich vom Leib wie eine lästige Fliege und schob dann lässig zum 4:2 ein. Danach wurde im beim Jubeln von Hahn dermaßen intensiv besprungen, dass seine Frau am Spielfeldrand grün vor Neid wurde, da er sie offenbar nicht mit der gleichen Leidenschaft beglückt wie seinen Teamkollegen.
Jetzt ging es Schlag auf Schlag und auch der VFL mischt noch fleißig mit. Nach einem Ballverlust von Zengel folgte die Flanke von rechts, die der einlaufende Schröder gekonnt per Kopf verwertete, sein Namensvetter im Tor war jetzt chancenlos und so mancher fürchtete schon den großen Zusammenbruch beim Gastgeber. Doch an diesem Tag war alles anders. Die Trainer reagierten auf das erneute Gegentor mit der Hereinnahme von Bruhn für Bebernitz, ab sofort gab es eine Doppelsechs mit dem Rentnerduo Schöwe-Bruhn, vor dem Jungstar Dombrowski zaubern sollte. Der Joker fügte sich gleich gut ein und holte sich in seiner ersten Aktion Gelb für ein taktisches Foul ab, eine harte Entscheidung, wenn man sich Blanks bisherige recht lange Leine anschaute. Mit Bruhn wurde es nun deutlich ruhiger in der eigenen Hälfte, Neukloster schien ausgelaugt zu sein von ihrem hohen Aufwand in der ersten Hälfte. Dies brachte Räume für den NSV, die man gekonnt zu nutzen wusste.
Zuerst fing Hoffmann einen Pass in der eigenen Hälfte ab und startete durch. Von Entelmann erhielt er den Ball zurück und überwand Spill in der 63. Minute zum 5:3. Sein in den letzten Spielen immer größer gewordener Knoten platzte damit endlich, die Erleichterung war ihm anzumerken. Und nur fünf Minuten danach gelang ihm sein nächstes Tor. Dombrowski setzte Spill in perfektem Einmann-Pressing unter Druck, wie es sonst nur Maschine Schulz konnte. Der unsauber gespielte Ball landete beim Flügelstürmer. Mit einer Finte schickte er den Schlussmann ins Kino und versenkte die Kugel anschließend zum 6:3. Die Partie kippte nun endgültig zugunsten der Schweriner und der erschöpfte Hahn verbrauchte den Großteil seiner nur noch geringen Kraft, um die Torschützen zum Jubeln zu empfangen. In dieser Phase klappte alles für die Landeshauptstädter, was sich beim nächsten Tor zeigte. Erneut setzte Dombrowski Spill unter Druck, der den Ball nicht früh genug wegbekam und ihn anschoss, sodass auf diese Weise nur einhundertzwanzig Sekunden nach dem letzten Gegentor das 7:3 fiel.
Das Spiel war nun entschieden, sodass Pohl und Grap gefahrenlos eingewechselt werden konnten und Entelmann sowie Schöwe ersetzten. Grap hatte sich zuvor mittels Eckfahnenstretching aufgewärmt und lauerte auf seinen ersten Saisontreffer. Die Angereisten schwächten sich anschließend selber, als ein Spieler durch Ballwegschießen die gelb-rote Karte erhielt und frühzeitig duschen gehen musste. Einen kurzen Schock gab es später, als das meterhohe Kamerastativ umkippte und wiederaufgerichtet werden musste.
Trotzdem hatten die Rancher noch nicht genug und wollten das Maximum herausholen. So ging es weiter mit Zengel, der nach einem seiner weltberühmten Offensivläufe wie einst Lucio auf 8:3 stellte. Danach war es Pohl, der wie auch bei den meisten Frauen zwei Anläufe brauchte, um erfolgreich zu sein. Elegant per Schienbeinroller erhöhte er in der 88. Minute auf 9:3. Den Schlusspunkt setzte dann Kapitän Schrotti mit dem Tor des Tages, das er sich bis zur Nachspielzeit aufhob. Aus großer Entfernung und halblinker Position kloppte er den Ball mit einer schönen Flugkurve in die lange Ecke, ähnlich wie beim letzten Heimspiel gegen Neuburg. Das 10:3 stellte den Vorsitzenden Schröder nun vor die Peinlichkeit, dass die digitale Anzeige nur einstellig ist und nicht mehr das korrekte Ergebnis anzeigen konnte. Blank half dem Neumühler Urgestein und beendete zügig danach die Partie, die ihren Platz in den Annalen einnehmen wird.
Nach einer ausgeglichenen und chancenarmen Halbzeit drehten die Gastgeber in den zweiten 45 Minuten kräftig auf und sorgten für die meisten erzielten Tore in einem Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte. Endlich zeigte man wieder die Effizienz, die in den vergangenen Spielen gefehlt und sich gegen Selmsdorf gerächt hatte. Durch Saisonsieg Nummer Drei hüpft man in der Tabelle auf eben jenen Tabellenplatz. Getoppt wird man nur von Selmsdorf (10 Punkte) und den schadlosen Roggendorfern. Zusammen mit dem anderen Aufsteiger von der SG Schlagsdorf/Mustin (Platz 4) mischt man weiter fleißig die Liga auf, Holthusen komplettiert das Trio mit neun Punkten. Der NSV stellt mit phamosen 22 Saisontoren den besten Angriff der Liga und hat mehr Tore erzielt als die letzten fünf Teams zusammen. Zeitgleich hat man aber auch so viele Gegentore kassiert wie der Vorletzte aus Lübstorf, der nur einen Punkt aufzuweisen hat. Genauso viele hat auch der SV Klütz, zu dem die Neumühler als nächstes reisen, während Neukloster zuhause auf Lübstorf trifft.
NSV spielte mit: B. Schröder – Hahn, Genke, Zengel, C. Schröder (C) – Bebernitz (60 Bruhn), Schöwe (81. Grap), Dombrowski – Hoffmann, Entelmann (73. Pohl), Boller
Weitere News







