Souveräner Sieg nach ruckeligem Start - NSV erreichte Pokalachtelfinale mit Kantersieg

Nach drei Spieltagen stand für den Neumühler SV die Pokalpremiere in der Saison 2026/27 an. In der ersten Hauptrunde bekam man es mit der SG Dynamo Wismar zu tun, die in der Ausscheidungsrunde eines der sechs Spiele geführt hatte. Hier hatte man sich mit 1:0 gegen Ligakonkurrenten SG Blau-Weiß Parum Dümmer durchgesetzt und somit den ersten Pflichtspielsieg eingefahren, die drei Ligaspiele in der Kreisklasse hatteN sie allesamt verloren. In seinen bisherigen fünf Spielzeiten hatte der noch junge Verein die unterste Liga dreimal am Ende abgeschlossen, zwischendurch folgte in der Saison 2023/24 ein zweiter Platz und der Aufstieg in die Kreisliga, dort musste man nach einem 12. Platz aber sofort wieder den Gang runter hinnehmen. Somit liegen zwei Spielklassen zwischen den heutigen Kontrahenten und die Favoritenrolle war eindeutig verteilt. In Abwesenheit von Coach Baruschke wollte das Trainerduo Schaar-Münchow dieser gerecht werden und schickte dafür eine spielstarke Mannschaft aufs Feld, wobei der eigentliche Flügelstürmer Koffein-Kevin Salchow und der gelernte Außenverteidiger Bebernitz interessanterweise Positionen tauschten. Salchow komplettierte damit die Viererkette, in der neben Sulkowski und Kapitän Schröder wieder Genkel stand. Davor war die Offensive fast unverändert, nur Zengel ersetzte Hahn und jener Bebernitz den abwesenden Hoffmann. Handgezählte 44 Zuschauer hatten sich bei leichtem Nieselregen pünktlich vor Ort eingefunden, als Schiedsrichter Tietze-Böhm anpfiff.
Anfangs zeigte sich für die Wismarer der Heimvorteil überraschend deutlich, der Underdog agierte mit dem Kreisoberligisten auf Augenhöhe und spielte zielstrebig durchs Zentrum nach vorne. Hier hatte der NSV als Gastgeschenk größere Lücken mitgebracht, die Dynamo Wismar gekonnt bespielte und nur im Abschluss die Genauigkeit vermissen ließ. Die Schweriner hätten zu Beginn eigentlich zwei Elfmeter zugesprochen kommen müssen, wenn Tietze-Böhm die Bolzplatz-Regel Drei Ecken, ein Elfer angewandt hätte. Der doppelte Ecken-Hattrick wurde ansonsten aber nicht wirklich gefährlich. Besser machte es vorher Zauberer Dombrowski, dessen Schuss der heute gut beschäftigte Kuben ebenso parierte wie den Nachschuss von Dampfwalze Bebernitz. Aber auch Tentakelmann Rusch musste sich früh gegen die frech aufspielenden Gastgeber auszeichnen und verhinderte im Eins-gegen-Eins stark den Rückstand. Seinen Unmut über die mangelnde Abwehrarbeit äußerte der sonst so in sich ruhende Erzieher recht barsch und weckte so sein Team scheinbar auf. Den unmittelbar nach dieser Großchancen konnte man in Führung gehen.
Dombrowski schickte in der 14. Minute den in die Tiefe spurtenden Außenbahner Bebernitz, dem die Annahme eigentlich vorsprang. Kuben zögerte beim Rauslaufen aber und ermöglichte dem Gegner somit einen gefühlvollen Lupfer mit dem schwachen Rechten über ihn hinweg ins Netz. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase ging der Favorit erwartungsgemäß in Front und bestellte bei der Cantina-Band dasselbe Tor nochmal. Nur hundertzwanzig Sekunden später spielte Boller einen schönen Flugball auf Bebernitz, der aus erneut ähnlicher Position erneut mit rechts erneut per Lupfer erneut traf.
Wer nach diesem Doppelschlag dachte, dass es nun ruhiger zugehen würde, lag ebenso falsch wie die Annahme, dass sich auf der Bank des NSV ein Sportlehrer befände. Dort hatte es sich nämlich Jägermeister Lode mit blauem Pulli, asseliger Jogger und Stoppuhr um den Hals gemütlich gemacht. Es fehlte ihm nur der Schnörris, um perfekt einen leicht übergriffigen Sportlehrer mimen zu können.
Nichtsdestotrotz zeigte sich der Gastgeber weiterhin motiviert, aber fahrlässig. Gleiches galt für die Landeshauptstädter, sodass sich ein wahrer Wettbewerb im Chancenvergeben ergab. Dieser wurde professionell kommentiert vom Väterdou Pohl/Grap, die eloquent jeden Angriff der Teams bewerteten und Verbesserungsvorschläge für den NSV erarbeiteten. Die dickste Gelegenheit setzte das Heimteam in den Sand, als der Stürmer aus wenigen Metern das leere Tor nicht treffen konnte, ein klarer Favorit für Zeiglers Kategorie „Den muss man nicht machen“. Erst in der 30. Minute erbarmte sich der emsige Boller, als er nach Vorlage von Dombrowski die Kugel per Pike durch die Beine von Kuben quetschte und auf 3:0 stellte.
Hiernach wurde das Spiel dann einseitiger und Neumühle übernahm das Zepter wie ein General nach einem Militärputsch. Wie in den zuvorgekommen Begegnungen erspielte man sich Chance um Chance, ging damit aber leichtsinniger um als so mancher Jugendlicher mit der Verhütung. Vor allem bei Linksaußen Boller fehlte noch das Zielwasser und er scheiterte mehrfach am Torwart oder sich selbst. Im anderen Gehäuse musste Rusch einmal sein ganzes Können und Körpergefühl unter Beweis stellen, als er einen stramm geschossenen und kurz vor ihm aufditschenden Freistoß per unkonventionellem Seitfallzieher klärte. Papa Pohl wurde außen schon unruhig und der Kaffee half dabei auch nicht (heute durfte mal die Mama trinken). Plötzlich war er dann unmittelbar vor der Halbzeit voll des Lobes. Was war geschehen? Dombrowski hatte einen überragenden Ball auf den überlaufenden Salchow gespielt, der über links durchbrach und in der Mitte Ludwigs fand. Im Gegensatz zur Vorwoche gelang es ihm diesesmal, den Fuß hinzuhalten und sein erstes Tor seit fast einem Jahr zu erzielen, was von der Mannschaft entsprechend gefeiert wurde. Ein schön herausgespielter Treffer rundete somit die erfolgreiche Halbzeit ab, kurz darauf beendet der Unparteiische den ersten Durchgang.
In der Halbzeit ergab sich mal wieder die Möglichkeit für die Wechsler, ihr Können unter Beweis zu stellen. Maschler übertrieb es jedoch ein wenig und bolzte die Knitte über den Fangzaun in die benachbarte Parkanlage. Beim NSV kam Pohl für den Entelmann, der in den ersten 45 Minuten wie Schmittchen Schleicher reihenweise Gegner vernascht hatte, jetzt aber unbedingt eine Nikotinpraline vernaschen musste. Pünktlich mit dem Schlag der Turmuhr eröffnete der Schiri den zweiten Durchgang.
Erneut kam Dynamo Wismar besser ins Spiel und überraschte de Gegner erneut. Jetzt konnte man sich für den couragierten Beginn belohnen, als Nematov nach einer Verkettung individueller Fehler Rusch aus spitzem Winkel ins lange Eck überwinden konnte. Jedoch entstand nur kein Sturmlauf, vielmehr flauten die Angriffswellen spürbar ab und es entwickelte sich eine größtenteils einseitige Begegnung, bei der die Gäste reihenweise Möglichkeiten ausließen. Während Stammvater Grap die Höflichkeit des entspannten Spielleiters Tietze-Böhm lobte, erhöhte Boller in der 59. Minute auf 1:5 und ließ damit auch den allerletzten Zweifler am Weiterkommen verstummen. Einen Freistoß hatte Zengel schlitzohrig schnell ausgeführt und den blanken Boller bedient, der nun eiskalt einschob.
Münchow reagierte und winkte den Frauenschwarm Grap herbei, der für den emsigen Ludwigs in die Partie kam und fortan als Mittelstürmer agierte. Ein Schrecken für die Auswärtsfans bei dem Gedanken, bei einem eventuellen Treffer des Jokers sich noch wochenlange die Geschichte über sein phänomenales und angeblich immens wichtiges Tor hören zu müssen. Aber anscheinend hatte dessen Hereinnahme die Wismarer neuen Mut zugesprochen, die mit einem perfekten Kopfball von Visaev auf 2:5 verkürzten. Die Neumühler Abwehr befand sich im Tiefschlaf, eigentlich war man im eigenen Strafraum deutlich in Überzahl gewesen. Grap war um eine passende Antwort und den Beweis bemüht, doch für die Landeshauptstädter zu spielen, brachte einen Treffer trotz guter Gelegenheiten nicht zustande. Einmal schoss er die Scheibe der ortsansässigen Werft beinahe kaputt, ein anderes Mal schleuderte sich Kuben das Spielgerät vermutlich aus Mitleid fast selber ins eigene Netz. Bebernitz kopierte zwischendurch noch den Maschler und qualifizierte sich für die zweite Runde Arschbolzen. So oder so gab man sich mit dem Ergebnis nicht zufrieden und drängte auf weitere Treffer.
Den nächsten besorgte mal wieder Boller nach Doppelpass mit dem erneut assistierenden Dombrowski. Nach dem 6:2 rotierte Schaar munter durch wie sonst nur beim Gängewechseln seines Drahtesels und brachte Nittke und Ich-und-mein-Holst für Sulkowski und Bebernitz. Die beiden fügten sich nahtlos in die aktive Angriffsmaschinerie ein und brachten neuen Schwung für die Schlussviertelstunde. In dieser wollte Boller einen Ööölfer schinden, als er frei durch war und am Keeper vorbeimarschierte. Dabei wurde er wohl leicht berührte, taumelte gekonnt aber noch sechs Schritte weiter, bis er resignierend aufs künstliche Grün dahinsank. Leider erbarmte sich der Schiedsrichter seines Trauerspieles nicht und seine Pfeife blieb stumm. Wenig später hatte Boller in der 83. Minute mehr Erfolg, als er in einem Konter nach Pass von Vorlagenkönig Dombrowski seinen vierten Treffer des Tages erzielte. Da hätte jemand eine Ones-to-watch-Karte in Fifa verdient gehabt (gibt es sowas überhaupt noch?). Danach war aber Schluss für die Tormaschine, Maschler ersetzte ihn für die letzten Minuten.
In diesen zeigte sich der sonst heute unauffällige Zengel nach einem Freistoß ebenfalls in Torlaune. An seiner durchtrainierten Hühnerbrust ließ er den Flugball abprallen und beförderte ihn über Kubens Kopf hinweg in die Maschen zum 8:2-Endstand. Kurz darauf durfte sich der arme Wismarer Schlussmann nochmal auszeichnen und parierte gegen Nittke. Dann beendete Tietze-Böhn pünktlich wie ein Uhrwerk das Spiel, da wollte jemand wohl noch Kaffee und Kuchen zuhause abstauben.
Nach einem etwas holprigen Beginn, bei der man einem frühen Gegentor gerade noch so entging, konnte der Neumühler SV somit seiner Favoritenrolle mehr als gerecht werden und feiert einen auch in der Höhe verdienten 8:2-Sieg gegen das Team aus der Kreisklasse. Die SG Dynamo Wismar zeigte eine engagierte Leistung und spielte teilweise auf Augenhöhe, machte aber zu wenig aus ihren Gelegenheiten. Selbiges gilt mal wieder auch für die Schweriner, die mehrfach an sich oder Kuben scheiterten. Im Achtelfinale trifft man nun auf SC Ostseebad Boltenhagen, die man aus der vorherigen Saison noch aus der Kreisliga in guter Erinnerung hat. Beide Spiele konnte man gewinnen und hofft nun auf den dritten Sieg in Folge und den Einzug ins Viertelfinale des Kreispokales, wenn man sich am vierten Oktoberwochenende (genaue Anstoßzeit fehlt noch) an die Ostsee reisen darf, erneut als Favorit. In der Liga geht es am vierten Spieltag weiter gegen VFL Blau-Weiß Neukloster, die als Absteiger aus der Landesklasse aktuell drei Punkte aus zwei Spielen geholt haben. Es dürfte also eine spannende Partie auf der Ranch werden, bei der sich die Trainer über eine etwas höhere Effizienz freuen würden.
NSV spielte mit: Rusch - P. Sulkowski (79. Holst), Genkel, C. Schröder (C), Salchow - Entelmann (46. Pohl), Zengel, Dombrowski - Bebernitz (79. Nittke), Ludwigs (67. Grap), Boller (85. Maschler)
Ebenfalls im Kader: Sportlehrer Lode
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